Weihnachtsbrief 2006

 


Duccio di Buoninsegna - Geburt Christi (1310)

  

"Ihr werdet finden das Kind in Windeln
und in einer Krippe liegen."

von Hedwig-Dorothea Affeldt

Es war kurz nach der Wende - wir, vier Mädchen (9 - 12 Jahre alt) und ich, ihre Reitlehrerin, saßen im Pferdestall und sprachen über Weihnachten.

In der Schule wurden sie für das Krippenspiel geworben, allerdings ohne ihnen, die ja in der DDR nichts von Gott und Christus gehört hatten, den Sinn zu erklären. „Was ist denn das für ein Rummel um so ein kleines Baby?“, sagte Pauline, „Können Sie mir das bitte mal erklären? Es ist in einem Stall geboren und liegt in einer harten Krippe. Wie kann man so lieblos mit einem Baby umgehen?“ Ja, das musste nun wohl erklärt werden.

Die Weihnachtsgeschichte machte ihnen einen großen Eindruck, denn: „...es war kein Raum in der Herberge“ als die Geburt begann. Die Eltern, Maria und Joseph, waren auf einer großen, ihnen befohlenen Wanderung, deshalb die Krippe im Stall und keine Wiege mit weichen Betten! „Weshalb kamen die Hirten und die Weisen aus dem Morgenlande dorthin, um das Kind zu sehen, war es so berühmt?“, fragt Pauline weiter. Meine für sie verständlich gemachte Erklärung: „Schon lange vor der Geburt des Christuskindes wurde von gläubigen Menschen vorausgesagt, dass dies Kind Gottes Sohn sein wird, der als Mensch mit den Menschen leben sollte. Wenn er erwachsen sein wird, soll er den Menschen durch sein Leben und Wirken im Sinne Gottes den Glauben an ihn, seine Liebe und Hilfe geben.

Deshalb war das Christuskind durch seine Geburt berühmt und wurde von den Hirten mit ihrer Liebe und von den Weisen mit ihren Gaben beschenkt, da es die Hoffnung der Menschen aus der Lebensangst herauszukommen war. So sollten auch wir mit dem Christuskind unsere Liebe als Gabe schenken, weshalb der weihnachtliche Rummel der Menschen untereinander gar nicht so wichtig ist.

So kam der Heiligabend und die Mädchen machten das Krippenspiel mit Verständnis und innerer Teilnahme.

Ich fand in meiner Wohnung eine kleine selbst gebastelte Wiege mit weichem Bettzeug und einer Babypuppe. „Ich will damit zeigen, dass ich das Christuskind lieb haben will, das soll meine Gabe zu Weihnachten sein, Pauline.“

 

Termine zu Weihnachten und zur Jahreswende

Sonntag 17.12. 10 Uhr 3.Advent:
Gottesdienst mit Abendmahl (Pfarrer Witte, Prerow)

Sonntag 17.12. 18 Uhr Orgelmusik und Lesungen in der Kirche
(KMD Handke, Barth / Pfarrer Apel, Zingst)

Sonntag 24.12. 17 Uhr Heiligabend:
Christvesper mit Krippenspiel in der Kirche

Montag 25.12. 10 Uhr 1. Weihnachtsfeiertag: Gottesdienst

Dienstag 26.12. 11 Uhr 2. Weihnachtsfeiertag:
Krippenspiel und Weihnachtsessen im Lesecafé

Freitag 29.12. 19.30 Uhr Der besonder Film im Lesecafé:
„Monsieur Ibrahim und Blumen des Koran“

Sonntag 31.12. 17 Uhr Altjahresabend: Andacht in der Kirche

Montag 01.01. 17 Uhr Andacht und Orgelkonzert in der Kirche
(Pfarrer Apel / Kantor Ruch Eberswalde)

Sonntag 07.01. 10 Uhr 1. Sonntag nach Epiphanias: Gottesdienst

Weihnachtschor am Heiligabend:
Proben mit Herrn Müller am Donnerstag, 14.12., um 19 Uhr;
am Sonntag, 17.12., um 11 Uhr und am Donnerstag, 21.12., um 19 Uhr.

  
Brot für die Welt

Die Kollekte am Heiligabend ist bestimmt für die Aktion „Brot für die Welt“ der Evangelischen Kirchen in Deutschland.

Menschen in Not sind auf Ihre Hilfe angewiesen, beteiligen Sie sich bitte an dieser Sammlung!

 

Wir danken allen, die uns in diesem Jahr geholfen haben. Sei es mit tatkräftiger Hilfe, mit Kompetenz, mit Spenden oder Kirchgeld.

Was durch Ihren Einsatz möglich wurde, sehen Sie an der Kirche, in der Gemeinde und in unseren Projekten. Es bewegt sich etwas, wo man be-reit ist seinen Teil zu leisten. Vielen Dank! Das nächste Projekt ist eine Rollstuhlauffahrt für die Kirche.

 
 
Jahreslosung 2007

„Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen,
jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“
Jesaja 43,19a

von Harald Apel

In diesem Jahr hat ein Bankier den Friedensnobelpreis erhalten. Wer jetzt an das Victoryzeichen eines Vortandsvorsitzenden im kurzen und enttäuschendsten Prozess des zurückliegenden Jahres denkt, könnte sagen: „So weit ist es nun schon gekommen.“

Nichts Neues sind Manager, die es normal finden mit einem Deal so viel zu verdienen, wie es mehrere Generationen von Arbeitern nicht mit ihrem Lebenswerk verdienen können.

Wer sich bedienen kann, darf sich selbst unendlich viel wert sein.

Muhammad Yunus dagegen hatte als Ökonomieprofessor ein umstrittenes Konzept. Erst wurde es von konservativen Betriebswirten belächelt und dann mit dem Erfolg für unfassbar gehalten. Yunus verleiht Geld an Menschen, die niemals auch nur in die Vorhalle einer Bank vorgelassen würden. Er verleiht Beträge, die anderswo nicht einmal mehr unter die Kategorie „Peanuts“ oder „Portokasse“ fallen würden. Und bei all dem ist Muhammad Yunus auch noch der Überzeugung, dass eine Bank zu den Leuten gehen muss und nicht um-gekehrt. Ob jemand kreditwürdig ist, hängt für ihn weniger daran, was er im Notfall als Sicherheit zu bieten hätte, sondern er setzt auf den zweiten Teil des Wortes. Er hält den für würdig, der etwas will und sich dazu Gedanken gemacht hat. Der Kreditnehmer behält seine Würde und setzt alles daran, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt. Inzwischen ist Yunus sehr reich und die von ihm gegründete Großbank beschäftigt 18000 Angestellte in 2000 Dorffilialen. Wirtschaftlichkeit und nicht Mildtätigkeit ist der Leitgedanke der Grameen-Bank und das funktioniert besser als bei anderen Banken, weil es den Schuldner ernst nimmt. Die Bank bekommt 98,4% der verliehenen Gelder plus Zinsen pünktlich zurück. Yunus dazu: „Sie (die anderen Banken) gehen bei jedem Kunden sicherheitshalber davon aus, dass er mit ihrem Geld durchbrennen will. Wir nehmen einfach das Gegenteil an und liegen in 98,4 Prozent der Fälle richtig. Das ist doch viel effizienter.“

Liebe Gemeinde, die Würde des Armen ist möglicherweise ein Grundansatz des Neuen, auf dem etwas anderes gedeihen kann als Terrorismus und der Kampf dagegen. Und vielleicht ist das unwürdige Verhalten in großen dunklen Geld- und Schmiergeld- und Abfindungsgeschäften hierzulande ein Zeichen dafür, dass nicht das Geld regiert, sondern dass man jenen, die damit regieren, etwas genauer auf die Finger schauen muss. Sollen Gerechtigkeit und Frieden wachsen, bedarf es dieser Erkenntnis.

Harald Apel