Gemeindebrief für Weihnachten 2005

  

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit......!!!!

von Gisela Nagel

Türen sind etwas so Simples, dass es sich kaum lohnt auch nur einen Gedanken darüber zu verlieren, außer man ist Tischler, Schreiner, Architekt, Kunsthistoriker oder Türenliebhaber.

Eine Tür kann man aufmachen, hindurchgehen und wieder zumachen.…………
Doch können nicht Türen und Tore viel mehr sein? Da ist unsere Haus- oder Wohnungstür, über deren Öffnung nur wir allein bestimmen,
die Tür eines Fremden, an die wir höflich klopfen müssen, um Einlass zu bitten,
die Tür eines Amtes, die sich uns nur zu vorbestimmten Zeiten öffnet,
die Warenhaustür, die sich beflissen für uns öffnet, um uns zum Konsumieren zu bewegen, außerdem die Gefängnistür, die vornehme Tür einer Villa, die schmutzige, undichte Tür eines Armenhauses, die Tresortür, die Geheimtür, die Falltür, die verbotene Tür, die einladende oder die fremde, abweisende Tür.

Wissbegierig oder neugierig möchte man wissen, was sich hinter den Türen be-findet. Doch Vorsicht! Nicht jede Tür ist für uns geeignet. Es gibt auch Räume, die durch einladend erscheinende Türen leicht zu erreichen sind, die uns dann aber unliebsam gefangen halten. Und sicher gibt es nicht nur sichtbare Türen, Tore und Portale. Haben wir nicht alle in unseren Köpfen, in unserem Denken Barrieren aufgebaut, Türen, Schranken eingerichtet, von denen wir überzeugt sind, dass wir sie nicht überwinden können? (Ich kann bei dem Reichen nicht klopfen, bei dem Armen will ich nicht, bei dem scheinbar Gebildeten trau ich mich nicht, mit dem anders Denkenden will ich nichts zu tun haben……) Wir haben uns über uns selbst eine feste Meinung gebildet, Halten uns entweder für toll und super oder für ziemlich nutzlos und stupid. Und damit machen wir unsere „Türen“ zu und igeln uns geistig ein. Ich bin überzeugt: das ist ein großer Fehler. Ich denke, jede Tür ist zu öffnen. Das ist nicht immer allein zu schaffen, aber sind wir denn allein? Wer ehrlichen, vertrauensvollen Herzens an die allumfassende Präsenz GOTTES glaubt, kann gar nicht wirklich allein, oder gar verlassen sein. Und mit SEINER Hilfe, mit dem Glauben an IHN ist uns die Macht über das Öffnen und Schließen jeglicher Tür, jeglicher Barriere gegeben.

Und dann ist da noch unsere Kirchentür, so wie viele andere Türen von Gotteshäu-sern in der ganzen Welt, die für jeden gutwilligen Menschen offen gehalten wer-den. Als Freier oder sogar Befreiter kannst Du auch diese Schwelle überschreiten.

 


die restaurierte Kirchentür
der Peter-Pauls-Kirche
  

Trost oder der Verkünder auf Zehenspitzen

von Hedwig Dorothea Affeldt

Ein neuer Lebensabschnitt hat für mich mit 83 Jahren begonnen, ich bin in ein „Betreutes Wohnen“ gezogen, weil ich allein und behindert nicht mehr zurechtkam. Ein Umzug, und damit die Trennung von liebgewordenen Menschen und Dingen, eine Gemeinschaft der anderen Wohnungsmieter, die noch wachsen muss, das Fehlen von Kindern und ihrem fröhlichen Lachen, all das muss ja irgendwie verkraftet werden. Die kleine gemütliche Wohnung mit den gewohnten alten Möbeln, das Gefühl betreut zu sein, wenn es nötig sein sollte und nicht zuletzt die Freundlichkeit der Menschen, die stets zur Hilfe bereit sind, dies alles ist tröstlich und hilft beim Eingewöhnen!

Erntedankfest!, ein Familiengottesdienst mitgestaltet von Kindern mit Einweihung des restaurierten Altars mit den großen Figuren von Peter und Paul. Fröhlich klan-gen die Kinderstimmen mit Gesang und einem kleinen Spiel (Begegnung mit Petrus und Paulus) in das Kirchenschiff, in welchem die Eltern der Kinder saßen, junge Ehepaare, viele mit kleinen Kindern auf dem Schoß.

Ein Junge, ca. 9 Jahre alt, las den 104. Psalm vor, deutlich und voller Andacht. Sein Bubengesicht ragte nur ganz wenig über den Rand des Lesepultes. Zu meinem Erstaunen stand er die ganze Zeit auf Zehenspitzen mit gestreckten Beinen und ordentlich nebeneinander gestellten Füssen. „Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zum Nutzen der Menschen, dass Du Brot aus der Erde bringest.....“ So klang seine helle Stimme. Durch das Stehen auf den Fußspitzen wirkte der ganze kleine Kerl nach oben weisend, so als sei seine Botschaft: „Reckt und streckt Euch der Hand Gottes entgegen, die er Euch in Christus reicht, dankt ihm von Herzen für alles Gute und spürt seine Kraft auch in der Not!“ Dies Bild des auf Zehenspitzen stehenden kleinen Verkünders werde ich in meinem Herzen bewahren

 

Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
(Jos. 1,5)

von Pfarrer Harald Apel

Ein paar Fragen an unsere Zukunft mit der Jahreslosung 2006:

Wer wünschte sich nicht solch eine Zusage. Überall wird eingespart. Arbeitsplätze werden gestrichen, weil Menschen zu teuer sind. Automaten sind günstiger. Die brauchen keine Pausen und haben keine Gewerkschaften. Sie sind berechenbar und fahren immer 100 Prozent Leistung. Sind sie verbraucht, werden sie problemlos ausgetauscht. Einzig, dass sie nicht einkaufen gehen und die Nachfrage ankurbeln, könnte man ihnen als Nachteil anrechnen. Aber vielleicht wird auch schon daran gearbeitet. Ephraim Kishon jedenfalls berichtet hinterlistig begeistert von einer vollautomatischen Kartoffelmaschine: Sie pflanzt die Kartoffel. Sie bewässert die Kartoffel. Sie erntet die Kartoffel. Sie schält die Kartoffel. Sie wäscht die Kartoffel. Sie kocht die Kartoffel. Und sie isst die Kartoffel.

Ja, so eigenartig es klingt; der Mensch scheint sich selbst zu teuer geworden. Deshalb werden immer mehr fallen gelassen, - deshalb verlässt, wer reich werden will, das Land. Der kluge Geschäftssinn sagt: Zuhause bist du da, wo es für dich am billigsten ist. Wenn aber so gehandelt wird, bleibt auch der Mensch nur noch ein Kostenfaktor. Dazu wird von ihm verlangt, doch einzusehen, dass er eigentlich

unbrauchbar geworden ist. Und das nicht nur wegen seines Alters, sondern wegen des allgemeinen menschlichen Makels: Zu unberechenbar, zu langsam, zu wenig belastbar, zu unflexibel, zu wenig perfekt und dann auch noch so teuer.

Aber wenn wir uns auch einsichtig als Kostenfaktor und als vollkommen unzulänglich erkannt haben, dann bleibt die erschreckende Frage: Wohin geht das Ganze?

Sind wir dabei uns selber einzusparen? Überlassen wir den Automaten erst unsere Arbeit, dann unsere Kartoffeln und später die ganze Welt? Was haben wir für ein Menschenbild in unserer Zeit?

Zu teuer ist der Mensch und wird dabei doch ganz billig abgespeist. Ist das die Würde des Menschen, wenn er sich in Politik und Wirtschaft nur noch als Kostenfaktor verstehen darf, wenn aller Sinn seines Seins darauf beschränkt wird, möglichst brauchbar zu sein, egal wofür? Kann aller Sinn des menschlichen Seins wirklich nur auf Arbeit, Wohlstand und Wachstum gerichtet sein?

Über unseren Tagen schwebt ein ZU WENIG, obwohl wir doch manchmal mehr als satt sind. - Arbeitstier - Kostenfaktor - Konsument. Etwas mehr, etwas größer dürfte das Leben schon sein. Etwas mehr dürfte der Mensch schon sein.

Bevor wir uns also selber einsparen, oder in der engen Kostenfalle ein jämmerli-ches Dasein führen, bevor wir uns auf ganz billige Weise zu teuer sind oder uns einsichtig den besseren Automaten anpassen, ist es vielleicht an der Zeit zu fragen: Warum gibt uns Gott solch eine Zusage? Warum sagt er dem, der sich selbst einsparen will; warum sagt er auch dem, der IHN verlassen hat:

ICH LASSE DICH NICHT FALLEN, UND VERLASSE DICH NICHT???

 
 
Geburtstage im Dezember 2005

* Anneliese Blunk * Liesel Bruse

Christa Dörendahl * Christel Gatz

Christel Heinrich * Gertrud Knaack

Else Lingnau * Emma Markus

Christel Petschaelis * Erika Spindler

Helga Wendt

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!