Gemeindebrief für November und Dezember 2004

 

Winterruhe

von Gisela Nagel

Viele von uns sind in der jetzt beginnenden dunklen Jahreszeit sehr betrübt. Alles sei kahl und trüb und tot, hört man es vielstimmig klagen. Und Winterdepressionen breiten sich aus wie schlimme Epidemien. Zeitungen und anderen Medien helfen mit, sie zu verbreiten. Und manchmal, scheint mir, ist ein Außenseiter, wer nicht über Dunkelheit, Nässe und Wind klagt. Wäre es nicht viel sinnvoller, das Klagen zu unterlassen? Sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren?

Arrangieren? Mit solchem Wetter? Mit Kälte, Schneeregen und manchmal grabesähnlicher Stille? Niemals! Da bleibt man doch lieber im Haus, zieht sich die Decke über die Ohren, nascht ab und zu ein bisschen oder ein bisschen mehr, macht sich den Fernseher an und lässt sich etwas über die schrecklichen Winterdepressionen erzählen oder über die Schlechtigkeit der Welt. Sie werden staunen, es klappt. Nach kurzer Zeit solcher Lebensweise haben Sie alle Symptome dieses Leidens.

Zu unseren Jahreszeiten gehört nun einmal auch “unser Winter”, der ganz bestimmt nicht immer schön ist, der uns aber andererseits bisher vor schlimmen Extremen bewahrt hat. Auf den fröhlichen, springlebendigen Frühling folgt bei uns der arbeitsreiche Sommer mit vielen Menschen und lautem Leben, Blumen, Wärme und viel Grün. Der Herbst schließt sich an mit reichem Erntesegen und besinnlich ruhigem Altweibersommer. Ja, und so langsam zur Ruhe kommend, kann das Jahr, kann die Natur ihre verdiente Winter-ruhe antreten.

Und da wir alle in die große Schöpfung integriert sind, können vielleicht auch wir eine besinnlichere Gangart für uns wählen, ohne uns zu verkriechen. Ganz bestimmt gibt es für jeden von uns einiges, worüber sich nachzudenken lohnt, worüber man sich doch nun endlich Klarheit verschaffen könnte. Werfen wir doch ruhig mal in aller Ruhe einen Blick in unser Innenleben oder denken über einige Aspekte dessen nach, “was die Welt im Innersten zusammenhält”.

Wenn es draußen dunkel ist, können wir es doch in uns selbst zum Leuchten bringen. Nutzen wir doch die Winter-ruhe! Sie ist keine Starre, nicht todesähnlich! Alles ruht: der Keim im Boden, die Knospen für kommende Blätter und Blüten, der Igel im Versteck, der Bär in seiner Höhle und ungeahnte Energien in jedem von uns. Spüren wir sie doch auf! Aktivieren wir sie! In dieser schöpferischen “Ruhe” geschieht so vieles. Wir sollten es sehen lernen, um uns daran zu erfreuen, um gewiss zu sein, dass alles seine Ordnung hat, wir also froh und guten Mutes auch durch den äußerlich grausten Tag wandern können.

„GOTT spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“
(Monatsspruch Dezember, Jesaja 43, 19)

 


Novemberabschied

Wenn die schwarzen Bäume aus dem Himmel hängen

und es aschgrau über Wiesen schleicht

nichts mehr hält in Wipfelfängen

und nur alles sinkt so leicht,

atmen ein die großen Stürme

ist das Schweigen ausdrucksvoll

Wurzeln schlagen die Gedankentürme

still in jenem, was mich hält

und doch nicht soll.

Harald Apel


 

Informationen

Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein Tag mit viel und unterschiedlichster Erinnerung. In der Leseprobe werden wir uns dem ungarischen Nobelpreisträger des Jahres 2002 Imre Kertész widmen, der in seinem “Roman eines Schiksallosen” Auschwitz, Buchenwald und andere deutsche Vernichtungslager aus der Sicht eines heranwachsenden 16-jährigen Jungen beschreibt.

Zum Martinstag laden wir am Freitag, dem 12. November 2004 (eigentlich ist es der 11. November) um 17.00 Uhr vor die Peter-Pauls-Kirche ein. Neben dem Gänsestall am Strand und dem gutmütigsten Pferd des Reiterhofes Gränert gehört diesmal auch die katholische Kirche zu den Orten, an denen wir auf unserer Zeitreise Station machen.

Am Ewigkeitssonntag, dem 21. November, sind alle, die in diesem Jahr einen lieben Menschen verloren haben, zur Andacht um 14.00 Uhr auf dem Friedhof eingeladen. Wir sammeln uns um den Glockenstuhl.

Ein Weihnachtschor findet sich auch in diesem Jahr wieder unter der Leitung von Herrn Pfarrer Pfeiler zusammen. Wer also in der Advents– und Weihnachtszeit auf seinem Arbeits- oder besser Wunschzettel auch das Wort Muße zu stehen hat, ist hier herzlich willkommen.

Allen Kirchengeldzahlern, allen Spendern und Helfern sagen wir herzlichen Dank! Ohne Ihre Hilfe wäre vieles in diesem Jahr nicht möglich gewesen. Ob Glockenstuhl oder Kirchenputz, ob Konzerte ohne Honorar des Gewandhausorganisten oder die Hilfe im Büro, ob die Hilfe im Garten oder das Lesen im Gottesdienst, ob Frauenkreis oder offener Kindernachmittag und all das jetzt nicht Erwähnte - die Kirchengemeinde sagt “Danke” für Ihre Unterstützung!

 

Überfluss und überflüssig

von Harald Apel

Eigentlich könnte die Hamburger U-Bahn schon ohne Fahrer auf die Strecke geschickt werden. Computer machen das möglich. Nur weil in eine Bahn ohne Fahrer niemand einsteigen würde, sitzt noch jemand zur Be- ruhigung im Fahrerhaus. Dieses wunderliche Bild macht deutlich, dass wir daran arbeiten, uns selbst überflüssig zu machen.

Viele beschleicht bei Stellenabbau und Arbeitslosigkeit das Gefühl des ständigen Rückzugs. Fast könnte man meinen, in diesem Kampf ums Vor-läufige steht sich der Mensch mehr und mehr selbst im Wege. Auch wenn das Beispiel mit der U-Bahn zeigt, dass er noch nicht ganz ohne sich selbst auskommt. Der Blick bleibt gesenkt vor dem, was kommen mag, denn nichts Großes, nichts Bleibendes, keine Vision regiert uns. Vom Überleben zum Überleben werden die ober-flächlichen öffentlichen Programme gezimmert, so dass die Fahrt durch die Dunkelheit weiter gehen kann. Wir arbeiten erst einmal weiter an der Abschaffung des schaffenden Menschen.

Dabei ist es sicher nicht das Problem, dass zu wenig Arbeit für zu viele Arbeiter da ist. Eher scheint es ein Problem zu sein, welche Arbeit wir bezahlen und welche nicht, welches Arbeitsergebnis für uns Wert hat und welches nicht. Wer einen Park anlegt, wird Schwierigkeiten haben, sein Vorhaben zu finanzieren. Wobei ein Autobauer mit seinem neuen Modell oft auf die rege Nachfrage des Marktes reagiert. Was wir begehren, hat wenig mit Lebendigkeit zu tun, - hat wenig mit Wagnis und Hoffnung zu tun. Auf die Spitze getrieben errechnen wir uns für das Jahr 2022 die Rente, ohne noch groß mit Kindern zu rechnen.

Wir rechnen mit der Zukunft, aber wir rechnen nicht mehr mit uns selbst. Computergesteuert wollen wir in sicheren Systemen ins Land von Morgen fahren und fahren doch nur Untergrundbahn mit Fahrern, die da vorn eigentlich nur noch als Attrappe sitzen. Das klingt alles nach einer Geisterfahrt ohne Geist, aber vielleicht hat dies mit den Worten Jeremias zu tun, der seinem Volk auf die Frage nach Zukunft antwortet:

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“

Wo man den Glauben an Gott für überflüssig hält, da macht sich der Mensch überflüssig.

Alles Bleibende wird eingetauscht gegen Vorläufiges. Wo aber nichts bleibt, als in den Spiegel zu sehen, da verliert sich alle Aussicht. Und vielleicht ist es gerade in dunklen Zeiten wichtig, in Zeiten ohne Ein- und Aussicht, als Mensch im Glauben den 121. Psalm für sich und andere zu beten:

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Füße nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht...“

 
 
Geburtstage im November und Dezember 2004

Bruno Ahrens
Anneliese Blunk
Liesel Bruse
Christa Dörendhal
Christel Gatz
Lotte Geißler
Elfriede Hecker
Christel Heinrich
Karl-Heinrich Kluge
Gertrud Knaack
Else Lingnau
Ilse Lingrön
Emma Marku
Heinz Otholt
Christel Petschaelis
Marie–Louise Pfeiler
Erika Spindler
Gertraud Teufert
Helga Wendt
Erhardt Zornow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!