Gemeindebrief für November und Dezember 2007

 

...denn DU bist bei mir.”

von Pfarrer Harald Apel

Jetzt kommt wieder die Zeit, da sich auf so manches der Abschied legt. Urlauber und Kraniche sind gen Süden gezogen, Blätter rauschen nicht mehr über uns, sondern rascheln zu unseren Füßen und am Strand kann man wieder mit dem Meer allein sein. Im Kirchenjahr nimmt man Abschied mit dem Ewigkeitssonntag. Es wird an jene gedacht, die uns vorausgegangen sind. Wir verlesen an diesem Tag auf dem Friedhof die Namen all derer, die im zurückliegenden Jahr aus der vergänglichen Zeit in die Ewigkeit aufgehoben wurden. Wir wehren uns dagegen, dass der Tod das letzte Wort behält, dass er so kalt und unnahbar bleibt. Unsere Gräber decken wir mit immergrünen Tannenzweigen gegen die Kälte ab. Wir halten inne mit dem Laubharken, mit der Vorbereitung der Gräber für den Winter und so mancher Gedanke versucht ein Stück des Jenseits zu fassen. Dieser Ferne Ort ist nun denen zur Heimat geworden, die uns im Diesseits ganz nahe waren. Natürlich ist unser Aufbegehren gegen die Macht des Todes kein reines Dagegenhalten, wider alle Vernunft und aller Erkenntnis, es ist sicher von Gott gewollt, dass wir es uns nicht allzu leicht mit dem Tod machen.“ Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden., heißt es im 90. Psalm.

Von manchen Atheisten ist der Vorwurf zu hören, dass Glaube nur Feigheit vor einem aufrechten Sterben sei. Aber ist es nicht auch Mut, sich dieser unabänderlichen Wahrheit zu stellen und sie im Glauben zu bewegen, anstatt alles, was möglich ist, mit dem Menschen enden zu lassen? Unser Ringen mit der eigenen Vergänglichkeit ist ein Kampf, bei dem wir zuerst immer als Verlierer erscheinen. Dabei ist doch das Gewinnen, das Siegen, das Triumphieren eigentlich das, worauf wir unser Leben fixiert haben. “Wir schaffen es!” das ist unser Schlüsselwort für die Zukunft geworden. Doch die Zukunft, so grausam das klingt, heißt auch immer Sterben müssen. Sie heißt Verlieren, Loslassen und Unterliegen.

Also doch: Dem Tod auf und davon und letztlich ihm genau in die Arme zu laufen? In den letzten Wochen haben wir die Grabstelle für anonyme Bestattungen neu gestaltet. Und so mancher mag beim Lesen der fünf Worte auf dem Kreuz – „denn DU bist bei mir“ – seufzen:

“Ja, ich werde sie oder ihn niemals vergessen.” Das ist sicher der Anfang eines Trostes. Doch ist mit diesen Worten nicht das menschliche Erinnern gemeint, sondern im 23. Psalm wird vorher von Finsternis und Unglück gesprochen. Jenes DU meint das Gegenüber Gottes. Da sagt einer an seiner Grenze: „DU bist bei mir“ und er überwindet sie. Seine Hoffnung endet nicht mit seiner Macht. Und sicher ist dies die einzige Chance, die wir haben, dem Tod die Macht zu nehmen. Wo wir von uns loslassen, da steht die Frage wohin fallen wir? Wenn wir mit den Abschieden und dem Verlieren ringen, geht es letztlich nicht mehr um unser Siegen und Gewinnen, sondern um die Frage: Wohin mit unserer Ohnmacht? Das Loslassen heißt dann: Gott lassen. Mit der Entscheidung für Gott entscheiden wir auch: Ob alles was war und ist im Staub der Vergänglichkeit versinkt, oder ob es aus der Macht des Todes aufgehoben wird.

“denn DU bist bei mir” heißt: Gott ist da, wo ich scheinbar von allen und von aller Welt verlassen bin. Er erwartet uns an unserer Grenze. Dass wir Ihn dann aber auch erkennen, bedarf es vorher der Einsicht: Gott ist nicht nur dort. Gott im Leben zu finden, um dem Tod nicht allen Sinn, nicht alle Zukunft zu überlassen, dass lässt uns unterwegs sein zwischen Ankunft und Abschied aber auch zwischen Abschied und Ankunft. Die Schlüsselwörter zum Dies- und Jenseits stehen jetzt auf unserem Friedhof. Nachdem wir vor einigen Jahren die Worte des 90. Psalms: “Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen” am alten Denkmal festgehalten haben, leuchtet nun mit den Worten auf dem Kreuz der anonymen Grabstelle das Ziel dieses Bedenkens auf. Es steht für unser Leben und Sterben: “denn DU bist bei mir.”

  



Anonyme Grabstelle auf dem Zingster Friedhof - siehe Artikel von Pfarrer Apel oben.

 

Das kurze Gebet

von Hedwig-Dorothea Affeldt

In meinem Elternhaus wurde stets vor dem Mittagessen das Tischgebet gesprochen:

„Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast!“

Dieses Gebet hat mich bis heute begleitet, irgendwann wurde mir ganz plötzlich klar, dass ich es aus lieber Gewohnheit sprach.

Als ich als Sechsjährige gefragt wurde: “Betet ihr auch zum Kaffeetrinken und Abendessen?“ kam von mir die prompte Antwort: „Weißt du, wir beten eigentlich den ganzen Tag!“ Daran erinnerte ich mich (meine Mutter hat es in ein kleines Erinnerungsbüchlein geschrieben), als ich beschloss, das Tischgebet als wirkliches Gebet zu sprechen.

Es drängte sich ein Gedanke auf: „Wie wäre es, wenn wir Jesus als Gast für den ganzen Tag zu uns bitten würden?“ Wir müssten dann unser Tun danach ausrichten, ob er es auch segnen würde, die Kraft dazu hat er uns ja beschert, aber auch die Gnade, um das einzusehen, was er nicht segnen könnte.

Ich glaube, es lohnt sich darüber nachzudenken und dann zu sagen:

„Komm, Herr Jesu,
sei für den ganzen Tag mein Gast,
lass mich nach deiner
Gegenwart ausrichten
und segne mein Tun,
das du mir bescheret hast!“

   


Acht nähmaschinen und ein Abendessen“

von Susanne Ziehank-Lipke

Sie werden sich fragen, was diese Dinge miteinander zu tun haben:

Es ist schon zu einer kleinen Tradition geworden, dass man sich im späten Herbst im Lesecafé zu einen Abendessen versammelt. So laden wir auch in diesem Jahr am Mittwoch, dem 21.11.2007 um 18.30 Uhr ein. Aber das Abendessen hat auch zwei besondere Hintergründe. Beim Zubereiten versuchen wir, möglichst viele Zutaten aus dem Eine-Welt-Laden der Kirchengemeinde zu verwenden und Ihnen einige unbekannte Lebensmittel schmackhaft zu machen. In diesem Jahr werden wir besonderen Wert auf die Beilagen legen. So könnten Sie auf Reis aus Indien, Cous-Cous aus Palästina oder Polenta aus Equador gespannt sein. Wie wäre es mit einem Quinua-Auflauf oder einer Schwarzen-Bohnen-Suppe? Natürlich gibt es etwas dazu, nicht zuletzt Wein oder Saft aus fairem Handel.

Der Erlös aus unserem Abendessen soll der sicherlich schon bekannten „Kinderhilfe Mazimpaka“ in Ruanda zugute kommen. Herr Mazimpaka schrieb kürzlich per mail an einen Freund nach Deutschland: "...die neue Schule von Ndahayo und seine Schülerinnen (10 Mädchen) haben erst gestern die Ausbildung abgeschlossen. ... Die Schülerinnen haben selber behauptet, sie können die gängigen Kleider für Frauen nähen. In seiner Ansprache teilte uns Ndahayo mit, dass diese Mädchen hauptsächlich Waisenkinder sind. Er wird unter diesem Kriterium seine nächsten (es gibt schon mehrere Kandidaten), Schüler auswählen, um in der Tradition des Projekts zu bleiben. ...Nun, 2 dieser Mädchen haben schon Nähmaschinen von Verwandten bekommen, aber die anderen haben nichts. Ich habe mir gedacht, wenn wir die nächsten Maschinen aus Deutschland bekommen, dann kann ich einigen den Abgängern geben....Eine solche Nähmaschine kostet etwa 120 Euro hierzulande. Bitte denke drüber nach, ob wir 8 Nähmaschinen finanzieren können." (siehe auch www.kinderhilfe-mazimpaka.de). Ihren finanziellen Beitrag (pro Person mind. 7,50 €) werden wir zu 100 % zur Beschaffung der gewünschten Maschinen beisteuern.

Lassen Sie sich also einladen zu einem gemütlichen kulinarischen Abend, an dem Sie sich nicht nur an der Gemeinschaft und den Speisen erfreuen sollen, sondern auch etwas zu einem lohnenswerten Projekt für die Zukunft ruandischer Jugendlicher beitragen können.

 

Geburtstage im November und Dezember 2007

Jutta Bänsch * Anneliese Blunk * Liesel Bruse

Christa Dörendahl * Christel Gatz * Lotte Geißler

Christel Heinrich * Vera Hoffmann * Horst Just

Anna Krüger * Helmut Last * Else Lingnau

Ilse Lingrön * Emma Markus * Gerd Moser

Heinz Otholt * Christel Petschaelis * Marie-Luise Pfeiler

Anneliese Raase * Walter Sadewasser * Elka Sangl

Erika Spindler * Gertraud Teufert * Helga Wendt

Erhardt Zornow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!