Gemeindebrief für Oktober und November 2005

 
Erntezeit
von Gisela Nagel

Es ist nicht zu übersehen, der Sommer ist vorbei. Schon werden Erntefeste und Erntedankfest gefeiert. Und wieder einmal haben wir allen Grund zum Feiern, zum Danken, falls wir uns nicht von den Miesmachern und ewigen Nörglern infizieren lassen. Unsere Gärten quellen über von der Fülle der Äpfel, Trauben, Kürbisse, Blumen, wenn wir denn im Frühjahr unsere Hände geregt und vorsorglich und weise Samen gestreut und Baum und Strauch gepflegt haben. Und wer keinen Garten oder keine Zeit oder etwa keine Lust dafür hat, der findet in und auf unseren Märkten alles, was Herz und Gesundheit nur begehren können in Hülle und Fülle.

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass wir gar nicht genug danken können. Und wenn wir uns diese Dankbarkeit zur Lebensmaxime machen, geht es uns allen besser. Wir gehen dann freundlicher miteinander um und sind auch bereit, mit anderen Menschen zu teilen, uns anderen Menschen mitzuteilen. Denn unser Wohlergehen rührt ja nicht nur von den Erträgen von Garten und Feld her. Mindestens genauso wichtig ist ja unser mentales Wohlsein. Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen sind angesagt, nicht Hinterlist, Argwohn, Misstrauen. Ein alter Spruch fällt mir ein: „Was ich selber denk und tu, trau ich auch dem andern zu.”

In der Bibel, bei den Sprüchen des Salomo fand ich dies: „Der Gerechten Wunsch führt zu lauter Gutem; aber der Gottlosen Hoffen führt zum Tage des Zorns. Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein anderer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer. Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden.” Und ich will hinzufügen: Leib und Seele werden „getränkt”

Ich glaube aber auch, dass viele von uns gar keine Hilfe, welcher Art auch immer annehmen wollen. Uns plagt unser Stolz, unser “Selbstwertgefühl”. Wir wollen uns beweisen, dass wir alles selber schaffen, keine fremde Hilfe brauchen, haben vielleicht auch Angst, ,‚Verpflichtungen einzugehen“ oder unterstellen dem anderen sogar unlautere Absichten. Das ist auch so ein Teufelskreis, den es an einer beliebigen Stelle zu durchbrechen gilt: Man möchte helfen, aber man traut sich nicht, man braucht Hilfe, aber wagt nicht, darum zu bitten. Und dem Nachbarn geht es möglicherweise genauso. Ist das nicht verrückt???

Der heilige Martin, dessen Gedenktag wir im November wieder feiern werden, hat nicht lange gefragt oder gezögert, sondern hat dem Impuls seines Herzens, seines Gewissens Folge geleistet und hat spontan und unkonventionell geholfen, indem er seinen weiten Umhang teilte und den Frierenden wärmte, und der hat die Hilfe dankbar angenommen.

Wer bringt uns eigentlich dazu, in das allgemeine Lamento über die geringe Hilfsbereitschaft in unserem Land einzustimmen? Garantiert gibt es unzählige Beispiele von “guten Taten” Die verkaufen sich nur nicht so gut. Schauen wir uns doch in unserem Lebensbereich um und setzen eigene Akzente!!

 

Teilnehmer des Seminars über Dietrich Bonhoeffer
der Kirchengemeinden Zingst und Köln-Junkersdorf
am letzten Wochenende im September.
  
Informationen

Die Gemeindekirchenratswahl in Zingst findet am 1. Advent, dem 27. November 2005 statt. Alle Gemeindeglieder sind dazu recht herzlich eingeladen. Es werden noch Kandidaten gesucht. Die Kandidatenliste wird Ende Oktober/ Anfang November im Gottesdienst bekannt gegeben.

Ab sofort findet einmal im Monat ein thematischer Nachmittag im Betreuten Wohnen statt. Am Mittwoch, den 19.10.05 widmen wir uns dem Jüdischen Glauben.

Zum Martinstag am 11.11. laden wir wieder zum Lampionumzug ein. Bitte beachten Sie die Plakate.

 
Reinhold Begas (Berlin 1831-1911)
- Schöpfer der Zingster Altarfiguren -
von Jürgen Koerber

Reinhold Begas entstammt einer bedeutenden Künstlerfamilie. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann seine Ausbildung bei seinem Vater Carl B. und Ludwig Wichmann, wenig später bei Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch. 1858, von längerem Studienaufenthalt in Rom zurück, erhielt er erste öffentliche Aufträge und schuf 1862 die Skulpturen über dem Zingster Altar: Das „Kruzifix in Zinkguss” sowie nördlich und südlich davon angebracht die „Statuetten des Apostel Petrus” und „des Apostel Paulus in Gypsguss”.

Zu jener Zeit konnte er sich noch, bevor ihn monumentale Großaufträge beschäftigten, mit solch’ subtilen, kleinen Aufgaben befassen, wie sie sonst in seinem Werk nicht mehr beobachtet wurden. D. Witt, Greifswald, vergleicht die weiche, gotisierende Drapierung der Gewänder mit den damals mehrfach, auch von Schinkel, verwendeten Vorbildern vom Grab des St. Sebaldus in Nürnberg aus dem 15. Jahrhundert. Stüler und Soller, die Architekten der Peter-Pauls-Kirche, fußten schließlich auf Schinkel und nahmen so auch Einfluss auf die Wahl des Künstlers. Endlich erhalten die ausdrucksvollen Plastiken nun wieder, durch die einfühlsame Gestaltung der Altarwand durch den Holzbildhauer Ludvik Cejp, Hannover, einen angemessenen Ort im Kirchenraum.

Fast gleichzeitig mit der Arbeit an den Figuren gewann Begas, dreißigjährig, den 1. Preis der damals viel beachteten Ausschreibung zum Denkmal Friedrich Wilhelms III. auf dem Heumarkt in Köln. Hundert Jahre später oblag es dem Verfasser dieser Zeilen, den Wiederaufbau nach Kriegszerstörung eben dieses Denkmals (von Bläser ausgeführt) beratend zu begleiten - angesichts der Zingst-Kölner Begegnungen in diesen September-Tagen eine weitere Duplizität...

 
Warum jemand heute noch Theologie studiert
von Ulrike Burmeister

Studenten der Volks- oder Betriebswirtschaft sitzen womöglich hinter einem Schreibtisch in einem Wolkenkratzer und blicken über die Smogglocke einer Großstadt.

Studenten der Naturwissenschaften verbringen geraume Zeit in einem Labor mit dem Betrachten von für das bloße Auge unsichtbaren Bestandteilen dieser Erden.

Und Studenten der übrigen Geisteswissenschaften werden im Sommer gemeinhin an ihrer vornehmen Schreibtischblässe erkannt.

Nur die Theologen, die haben die Möglichkeit, sich einen Praktikumsplatz an der Ostsee zu suchen...

Selbst, wenn man dieses als Grund angeben würde, weshalb man sich für das Studium der Theologie entschieden hat, wäre es ein guter, denn die Praktika, zweimal sechs Wochen, sind ein wichtiger Bestandteil des Studiums.

Zunächst jedoch ist aber auch das Theologiestudium eines, bei dem man viel Zeit des Tages in Vorlesungen, Seminaren und über Büchern verbringt. Darin unterscheidet es sich sicher wenig von anderen Studienfächern. Und auch wenn man auf die derzeitige Anstellungssituation schaut, könnte man meinen, es handelt sich heute eher um eine Studienwahl wider alle Vernunft.

Aber genau das gerade nicht. Vielmehr spielt die Vernunft eine große Rolle in der Theologie. Denn unter anderem schließt sie die Beschäftigung mit der Philosophie ein. Und das war der Grund für mich, Theologie zu studieren: Die Vielfalt dieses Studienfaches. Es umfasst im Grunde sechs Disziplinen: Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie und Religions-pädagogik. Aber dabei berührt man nicht wenige andere Wissenschafts- und Forschungsbereiche, wie z. B. die Archäologie, die Literatur- und Geschichtswissenschaften, Religions- und Erziehungswissenschaften, die Psychologie und die Philosophie

Ebenso, wie in einigen anderen Fächern, bietet sich ein Studienjahr im Ausland an, da sich nirgends besser als vor Ort die Eigenarten desselben kennen lernen lassen. Und gerade die Theologie ist, dadurch, dass sie im Zusammenhang mit der Lebenswirklichkeit des Menschen entsteht, sehr verschieden.

Und zu guter Letzt sind es natürlich auch die Möglichkeiten, ein Praktikum zu machen. Für einmal sechs Wochen geht man für gewöhnlich in eine Kirchgemeinde. Ich habe diese Zeit in zwei Hälften geteilt und die ersten drei Wochen in der deutschsprachigen Gemeinde in der Stadt Luxemburg verbracht. Das zweite Praktikum sollte dann ein diakonisches oder ein Wirtschaftspraktikum sein. Das wiederum habe ich in einem Altenheim in Haifa/Israel geleistet.

Diese Vielfältigkeit bewog zumindest mich, ausgerechnet dieses Studienfach zu wählen. Friederike Burmeister

(Frau Burmeister ist in der ersten Oktoberhälfte als Praktikantin in der Kirchengemeinde Zingst tätig)

 
 
Geburtstage im Oktober und November 2005

Ilse Darmer * Ilse Ennen * Lotte Geißler

Christa Gräff * Elfriede Hecker * Gerhard Hünrichs

Werner Kostropetsch * Thabea Kröbel * Ilse Lingrön

Gert Moser * Eva Nicklaus * Heinz Otholt

Gertraud Teufert * Carl-Heinz Tiesler * Gerhard Tietz

Hanni Wentzkat * Erhardt Zornow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!