Gemeindebrief für September und Oktober 2006

  

Zweifelhafte Wahlbekanntschaft

von Harald Apel

Wieder ist es Zeit zu wählen! Und so lächeln uns Parteiengesichter freundlich werbend auf den Plakaten zu. Wir lächeln im Vorüberfahren ebenso zurück und denken vielleicht: -Ist es Mut oder Eitelkeit sich mit seinem Gesicht im wahrsten Sinne des Wortes veröffentlichen zu lassen?- Nehmen wir wohlwollend das erstere an, dann fällt auf, dass eine poltische Gruppierung kaum mit Gesichtern wirbt. Sie setzt sich mit zackigen Sprüchen in Szene. “Touristen willkommen, Asylbetrüger raus” wird da beispielsweise plakatiert. Solche Parolen, sollen dunkle Verhaltensweisen der Revierverteidigung ansprechen.

Jedenfalls kennen einige Kinder und Eltern aus Zingst die freundlichen und offenen Gesichter der Kinder und Eltern aus dem Kosovo, aus der Ukraine, aus Bosnien und dem Iran, die Asyl beantragt haben. Manche warten bereits seit 7 Jahren auf eine Antwort der Behörden. Wer etwas differenzierter über das Problem nachdenkt, kann jenen in brauner Gesinnung vernebelten Vereinfachern schwer auf den Leim gehen. Gewiss kann es für Betrug gehalten werden, wenn Menschen zu uns kommen, weil sie wollen, dass es ihnen besser geht. Aber will das nicht jeder Mensch. Weniger die Ausländer sind das Problem, sondern die Regeln, nach denen wir sie in unser Land lassen und wie wir sie dann hier integrieren. In diesem Land, wo immer weniger Kinder geboren werden, wird es in nicht allzuferner Zukunft nötig, dass wir Menschen aus anderen Ländern hierher bitten, damit es überhaupt weiter geht.

Wo immer uns in der Bibel Menschen auf der Flucht und in der Fremde begegnen, werden sie unter den Schutz Gottes gestellt, - wird ihnen Achtung zu teil. Dem Volk Israel, dass selbst aus Ägypten geflohen ist, wird der Fremdling immer wieder ans Herz gelegt. Maria und Josef müssen vor Herodes nach Ägypten fliehen, um ihr Kind zu retten.

Was die Bibel als Notwendigkeit zur Rettung des Lebens und der Freiheit als Weg aufzeigt, nämlich die Flucht, ist auch in der deutschen Geschichte immerwieder notwendig gewesen.

Auch wenn man vielleicht einwenden wird, -es waren ja Deutsche-, so entsetzt doch der Gedanke; es hätte 1945 hier geheißen “Ostpreußen oder Hinterpommern raus”. Oder in der alten BRD wäre Wahlkampf gemacht worden, mit Sprüchen, wie “Die DDR-Flüchtlinge nehmen uns die Arbeit weg”. Wer Menschen das Recht verweigert, aus einer das Leben bedrohenden Situation zu fliehen oder auch nur dorthin zu gehen, wo man es besser hat, der ist unfähig sich in das Leben des anderen hineinzuversetzen und es zu achten. Aber genau das sollten diejenigen können, durch die wir uns im Landtag vertreten lassen.

 

Ruine am anderen Ufer

Ganz nah,
doch ins Jenseits verloren
steht gegenüber dem Deich
eine alte Ruine
wie in einem anderen Reich.

Lange scheint sie verlassen
niemand, der sie erreicht
auf jener Wiese im Bodden
über die,
der Wind nur noch streicht.

So nah ist hier die Ferne,
dass sie dich fast berührt
Es führen dich Gedanken,
wohin dich kein Fuss mehr führt.

Harald Apel


  

Auf krummen Wegen gerade gegangen

von Manuela Markowsky

Mein Name ist Manuela Markowsky und zurzeit absolviere ich hier in Ihrer Gemeinde ein Praktikum, das im Rahmen des Theologiestudiums vorgeschrieben ist. Eine alte talmudische Weisheit besagt, dass Gott uns den Weg führt, den wir uns selbst gewählt haben. Ich habe mich vor fast sechs Jahren dazu entschlossen, mein Studium in ganz andere Richtungen zu lenken und Evangelische Theologie statt Englisch zu studieren. Ich hatte das klare Ziel vor Augen einmal Pfarrerin zu werden und machte mich nun also daran, Hebräisch, Griechisch, Latein und die Bibel zu studieren, Jahreszahlen auswendig zu lernen und Kant zu verstehen. Ich studierte in meiner Heimatstadt Greifswald, in Tübingen und in Aarhus, Dänemark, absolvierte meine Prüfungen mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, lernte bisweilen mit viel, oft aber auch mit wenig Enthusiasmus. Manchmal fragte ich mich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Meine Begeisterung für Fremdsprachen, deretwegen ich eigentlich das Englischstudium begonnen hatte, ist mir geblieben. Daher habe ich neben den Pflichtsprachen auch noch andere alte und neuere Sprachen gelernt und studiere nebenbei Skandinavistik.

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurück blicke und den Weg betrachte, den ich gegangen bin, so weiß ich, dass ich auf diesem krummen, hügeligem Weg, den ich mir da ausgesucht habe, mit sicherer Hand geführt worden bin. Wo es mir so erschienen war, dass ich mich verlaufen hatte, da ist es nur ein Umweg gewesen. Ich freue mich daher auf die Pfade, Feldwege, Gebirgswege und Wasserstraßen, die noch vor mir liegen. Ganz besonders freue ich mich darauf, hier in Ihrer Gemeinde meine theoretischen Kenntnisse in die Praxis umsetzen zu können und das zu tun, worauf es eigentlich ankommt: die gute Botschaft von der Hoffnung jedem Menschen, dem Großen und dem Kleinen, in seiner Sprache zu verkünden.

Manuela Markowsky

 


Veränderungen

von Gisal Nagel

Warten diese Schwalben darauf, endlich abreisen zu können? Sicher haben sie den herrlichen Sommer dieses Jahres genossen, haben ihre Kinder in ihren sicheren Nestern in der Nähe freundlicher Menschen aufgezogen, haben sich an den zahlreichen Mücken zur Genüge gütlich getan, haben die Kinder gelehrt zu fliegen und dabei Muskelkraft, Energie, Ausdauer und Durchhaltevermögen zu entwickeln. Doch nun, da der Sommer sich sehr drastisch seinem Ende nähert, haben die kleinen Schwalben, diese eleganten, munteren Flug- und Lebenskünstler nur noch eine Sehnsucht. Sie möchten, sie müssen ihr Leben verändern, bis sie im nächsten Frühjahr wieder sehnsuchtsvoll hierher, in ihre angestammten Reviere zurückkehren. Ein Schwalbenleben, geprägt von stetigem Wandel, von immer neuen Lebensumständen, begleitet von Gefahren, Anstrengungen, sicher auch manchmal Entbehrungen und dem Verlust lieber Artgenossen, aber ganz sicher auch begleitet von Lebenslust, Lebensenergie, die sich ständig erneuert im Bewältigen der unzähligen Bewährungssituationen, die in einem Schwalbenleben sicher genauso auftreten wie in einem Menschenleben.

In einem alten Liedertext heißt es: “Machen wir’s den Schwalben nach...”. Mancher von uns würde es vielleicht gerne, würde den Herbst und Winter lieber im sonnigen Süden verbringen und nur den Frühling und Sommer in unserem heimatlichen nördlich wechselhaften Wetter. Aber wir sind keine Schwalben. Wer sollte wohl Ge-treide, Kartoffeln, Obst und Gemüse anbauen und ernten, wer den Wein pflegen, keltern und zu köstlicher Labsal verwandeln, wer das Vieh für das geliebte Schnitzel aufziehen und pflegen, wer im Supermarkt für ein stets volles Angebot sorgen, wenn der Mensch es wie die Schwalben machte? Und eines noch! So ganz freiwillig fliegen die Schwalben ja auch nicht. Sie würden hier im Winter verhungern und sicher erfrieren. Wir hingegen haben unsere Wärme und Gemütlichkeit und pflegen doch im Winter besonders gern unsere Gemütlichkeit und Behaglichkeit. Ein bisschen sollten wir es dennoch den Schwalben nachmachen: nämlich akzeptieren, dass wir ständig Veränderungen ausgesetzt sind, innerlich wie äußerlich. Wir wachsen, wir blühen auf, wir altern. Und um uns her bleibt auch nichts auf Dauer wie es einst war. Leider? GOTT sei Dank? Diese Frage ist wohl nicht generell zu beantworten.

 
 
Geburtstage im September und Oktober 2006

* Dr.Hedwig-Dorothea Affeldt * Ilse Darmer

Ilse Ennen * Elisabeth Fischer * Anneliese Geldschläger

Gertraud Geyer * Gertrud Giese * Christa Gräff

Wolfgang * Heinrich Gerhard Hünrichs * Hans Knop

Jürgen Koerber * Werner Kostropetsch * Ursula Kraeft

Thabea Kröbel * Irma Kurschus * Wilma Langner

Karl-Friedrich Libke * Ruth Milbratt * Eva Nicklaus

Dr.Hildegund Olbrich * Lieselotte von Oppen * Werner Strehlow

Carl-Heinz Tiesler * Gerhard Tietz * Siegfried Troelenberg

Hanni Wentzkat * Ingeborg Wittenborn * Hannelore Wolff


Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!