Gemeindebrief für September und Oktober 2003

 
Kluger Kopf und gutes Herz

von Harald Apel

Nach einem ziemlich heißen Feriensommer hat nun die Schule wieder begonnen. Wer ein „kluger Kopf“ werden will, muss Rechnen, Lesen und Schreiben und noch eine Menge mehr lernen. Aber der „kluge Kopf“ allein macht noch keinen glücklichen Menschen. Was richtig oder falsch, was gut oder schlecht, was wichtig und nötig ist, entscheidet oft auch das Herz. Einige sagen auf das gute Herz kommt es an, andere wieder auf den klugen Kopf. Aber wem nützt ein herzloser Kopf oder ein kopfloses Herz? Damit Menschen gut miteinander leben und glücklich werden können, brauchen sie beides.

Nun ist es mit dem guten und glücklichen Leben so eine Sache. Reich zu sein, ein großer Künstler zu werden, viele Freunde zu haben, einen Schatz zu finden oder einem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen sind nur einige Träume vom glücklichen Leben. Und manchmal merkt man erst, wenn man meint, sein Glück gefunden zu haben, dass es doch noch etwas viel größeres und schöneres gibt. Wie findet man zum guten Herzen, zum klugen Kopf und auf den richtigen Weg? - diese Frage zu beantworten ist ziemlich schwierig, wenn man zwar kräftige Beine hat, um seinen Weg zu gehen, aber keine helfende Hand da ist, die zeigt wohin es gehen kann, die gereicht wird, wenn Gefahren und Schwierigkeiten lauern.

Deshalb ist es gut, wenn Kinder auch ein Zuhause für ihre Gedanken und Träume bekommen. Erwachsenwerden heißt auch zu wissen, wohin man wachsen soll. Ein Zuhause für Gedanken, für Träume und Hoffnungen ist schon immer die Kirche gewesen, denn sie ist nicht nur ein großes Haus, sondern in ihr haben sich Menschen zusammengefunden, die sich von Gott herausrufen lassen. Kirche heißt auch die Herausgerufenen. Sich gemein-sam mit anderen zu Gott auf den Weg zu machen ist der Anfang eines Weges, der junge und alte, große und kleine, ängstliche und mutige Menschen an ein Ziel bringt und nicht verloren gehen lässt. Gott hat die Menschen herausgerufen mit dem Versprechen: „...und seht, alles wird gut“.

Mit dem Monat September ruft nun auch die Kirche in Zingst wieder alle Kinder, das Gute (Gott) zu suchen. Kurz möchten wir die einzelnen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche vorstellen:

Die Christenlehre findet wie alle anderen Veranstaltungen einmal in der Woche statt. Hier sollen Kinder kreativ mit biblischen Stoffen vertraut gemacht werden. Ein Grundwissen soll vermittelt werden, das hilft der Wirklichkeit nah entsprechende Entscheidungen zu fällen. Altersmäßig sind die Klassen 1-3 und 4-6 zusammengefasst.

Der Konfirmandenunterricht ist Voraussetzung für die Konfirmation. Er wird über zwei Jahre erteilt und soll den Heranwachsenden im umfassenden Sinne erfahrbar machen, was es heißt, verantwortlich zu sein, nämlich auf Gottes Wort zu antworten. Der Unterricht beginnt mit der 7. Klasse und wird gemeinsam mit den Konfirmanden aus Prerow durchgeführt. Nach zwei Jahren wird dem Jugendlichen in einem Gespräch die Möglichkeit gegeben, sein wissen zu beweisen. was sie können. Gemeinsame Fahrten und Exkursionen gehören mit zum Programm.

Die Junge Gemeinde führt die Begleitung der Jugendlichen nach der Konfirmation weiter, wobei hier das eigene Gestalten und die Verantwortlichkeit gefördert und gefordert sind. Frau Beese möchte die Junge Gemeinde künftig begleiten.

Der Offene Nachmittag mit Frau Nagel bietet Kindern im Vor- und Grundschulalter an, kreativ mit dem Erlernten umzugehen. Der Gebrauch dessen, was man gelernt hat, wird hier weiter vertieft.

Der Spatzenchor nimmt die kindliche Freude am Gesang auf. Dies früh zu entwickeln und zu begleiten hat sich seit dem Frühjahr Herr Müller bereit gefunden. Etwas gemeinsam zu schaffen, verschiedene Lieder zu lernen und manchmal im Gottesdienst aufzutreten sind für Kinder wichtige Erfahrungen. Im Chor singen Kinder von vier bis zu zehn Jahren.

Parallel zur Chorprobe findet der Mutter-Kind-Kreis statt, in dem sich nicht nur Mütter über die Dinge des großen und kleinen Lebens austauschen.

Nach der ersten Septemberwoche laden wir alle Kindern und Eltern zum Familiengottesdienst am 7. September. um 10 Uhr in die Peter-Pauls-Kirche in Zingst ein. Das Thema dieses Gottes-dienstes ist, wie kann dies bei einem Gottesdienst zum Schulbeginn anders sein, die Zensur. Mit einem kritischen, aber vom evangelischen Glauben her begründeten Blick auf dieses Thema suchen wir eine Antwort, die jenseits von „guten“ und „schlechten“ aber diesseits von angenommenen Schüler steht. Die evangelische Schule in Barth ist auch an diesem Gottesdienst beteiligt.

Hier zunächst die vorläufigen Termine ab dem 1. September 2003:

Dienstag
- 14.45 Uh: Offener Nachmittag.

Mittwoch
- 14.30 Uhr: Christenlehre Kl. 1-3;
- 15.30 Uhr: Spatzenchor;
- 15.15 Uhr: Christenlehre Kl. 4-6;
- 15.30 Uhr: Mutter-Kind -Kreis.

Freitag
- 14.30 Uhr: Konfirmandenunterricht
(im Wechsel in Prerow und Zingst);
- 18.00 Uhr: Junge Gemeinde

Diese Termine können sich nach der ersten Woche durch Schultermine noch einmal ändern.

 


 

Der ursprüngliche neugotische Altar der Zingster Kirche - hier auf einer alten Postkarte - ist leider verloren. Die Kirchengemeinde bemüht sich jetzt um die notwendige Restaurierung der erhaltenen aber beschädigten Apostelfiguren von St. Peter- und St. Paul. Es sind Werke des preußischen Hofbildhauers Rheinhold Begas (1831-1911). Die Namensgeber der Kirche werden bald auf ihre alten Plätze zurückkehren können.

 


"M-V auf der Sonnenseite… Der Tourismus im Land boomt… Entgegen dem Bundestrend legte M-V bei Gästeübernachtungen um fünf Prozent zu..."
OSTSEEZEITUNG vom 21. August 2003

von Gisela Nagel

Es wird weiter von den vollen Hotelbetten, Stränden und den klingenden Kassen berichtet. Also scheint doch die Rechnung all der vielen kleinen und großen Investoren in die Tourismusbranche aufgegangen zu sein.

Ja, die Kassen haben sicher für viele verlockend fröhlich geklungen. Doch oftmals habe ich mich auf dem Höhepunkt des Boomens und Kassenklingens gefragt, wer eigentlich den Preis für das Klingen zu zahlen hat. Und da denke ich zuallererst an die Gäste selbst. So konnte man zu Beginn der Saison noch entspannte Zufriedenheit beim Einkaufsbummel in Zingst beobachten. Die Menschen schauten fröhlich in die Welt, waren rücksichtsvoll und freundlich. Doch dann kippte irgendwann die Stimmung. Das war zu dem Zeitpunkt, da man sich in den Geschäften und am Strand fast auf die Füße trat, auf den Straßen und Deichen die Fußgänger von den Radfahrern und die Radfahrer von den Fußgängern behindert wurden. Das war der Zeitpunkt, wo einer den anderen nicht mehr als netten Mitmenschen sondern als lästigen Konkurrenten empfand. Keiner fand mehr die Ruhe und Muße zum sorglosen, gelösten Dahinschlendern. Jeder musste immerzu aufmerksam sein. Und so war der Zeitpunkt der kleinen und großen Unfreundlichkeiten oder zumindest der stummen inneren Abwehr dem Nächsten gegenüber gekommen.

Ja, auf wessen Kosten klangen die Kassen? Auf Kosten der Gäste, auf Kosten der Einheimischen und auf Kosten der Angestellten in der Gastronomie und Verkaufseinrichtungen. Wie sonst wäre die völlig entgleiste Äußerung eines Mitarbeiters an einem Imbissstand möglich: „Da warten die Aasgeier schon wieder!“ Enge, Überarbeitung, körperliches Unbehagen durch und Stress machen sich gern Luft durch irgendwelche - meist unvernünftige - Reaktionen, auf allen Ebenen. Die wartenden „Aasgeier“ sind gestresst, der Verkäufer ist gestresst und schon ist so ein unliebsamer Zwischenfall geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen, und alle sind sehr verärgert, enttäuscht, wütend, und vielleicht ist der ganze Tag beschattet und verdorben. Und warum? Weil da einer sicher völlig überarbeitet war, weil ein Chef das Geld für eine weitere Kraft lieber sparen wollte, damit seine Kassen noch satter klingen.

Ja, um des verführerischen Kassenklingens wird alles geopfert: die Besinnlichkeit der Einheimischen, sich über jeden Urlaubsgast zu freuen, ihn als freundliche Bereicherung des Sommers anzusehen, geopfert wird die Ruhe, die friedvolle Erholung der Gäste, die sich ihren Urlaub oft sauer verdient und erspart haben, geopfert wird unter Umständen die Gesundheit der dienstbaren Geister.

Und dennoch sollten wir uns alle trotz alledem um mehr innere Freundlichkeit bemühen. Nicht jede unfreundliche Bemerkung muss unfreundlich beantwortet werden. Denn irgendwie haben wir doch alle Nutzen von dem Tourismus. Stellen Sie sich doch einmal die Alternative vor: Zingst als verlassenes Dorf mit vielleicht gerade mal einem kleinen Dorfkonsum… Ideale Mittelwege gibt es nur äußerst selten.

 

Geburtstage im September und Oktober 2003

Ilse Darmer
Elisabeth Fischer
Gerda Gast
Gertraud Geyer
Gertrud Giese
Klara Göhring
Wolfgang Heinrich
Gerhard Hünrichs
Ilse Jakob
Hans Knop
Jürgen Koerber
Ursula Kraeft
Ilse Krüger
Wilma Langner
Karl-Friedrich Libke
Edith Mehte
Ruth Milbratt
Eva Nicklaus
Lieselotte von Oppen
Rita Stehr
Werner Strehlow
Carl-Heinz Tiesler
Gerhard Tietz
Siegfried Troelenberg
Hanni Wentzkat
Gertrud Wilke

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!