Gemeindebrief für September und Oktober 2002

 

Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Ps. 34,2


von Harald Apel

Liebe Gemeinde,
mit dem September kommt wieder etwas Ruhe und Gelassenheit in den Ort zurück. Der Strand kehrt langsam und sacht heim zur Stille und so mancher Sonntag vergeht ohne Attraktion auf Zingster Bühnen. Herbst und Sommer weben ein Netz aus „Noch nicht“ und „Schon“ in dem sich die Zeit in Tropfen verfängt. Licht und Luft des September sind etwas ganz besonderes. Die süße Schwere des Sommers wird verweht, die Farben werden klarer und noch herrscht jene Leichtigkeit des Abschieds, die man dankbar wie einen reifen Apfel empfängt.

Es ist leicht Gott zu danken, ihm zuzujubeln, wenn er Schönheit und Gutes schenkt, wenn er gibt und nicht nimmt, wenn er offenbart und nicht verbirgt. Nur wenn wir meinen klar zu erkennen, dass es Gott gut mit uns meint, sind wir des Lobes voll. Aber was ist, wenn er nimmt, wenn er verheert und verwüstet, wenn er uns in seiner Güte verborgen bleibt. Bleibt uns dann nur die Anklage: „Wie kann Gott dies zulassen“ oder „Warum ist Gott so ungerecht!“ – Fragen, die sich angesichts des Hochwassers stellten. Gott in der Schönheit des September, in der Zeit des goldenen Lichts zu sehen und ihm zuzujubeln ist leicht. Ihn jedoch mit Schlamm und Geröllmassen das Werk seiner Hände zerstören zu sehen, macht ängstlich und zweifelnd.

Der gute und der verheerende Gott- wie bekommen wir dies zusammen? Der, der es reifen und wachsen lässt, lässt es auch regnen. Dasselbe Wasser verheert und lässt wachsen. Der Gott, der gibt, der nimmt auch. Der, der einen Anfang setzt, setzt auch ein Ende. Nicht nur das Beginnen, das Aufbrechen, der verheißungsvolle Anfang ist eine Gabe Gottes, sondern ebenso das Setzen eines Endes. Was uns leicht und nützlich erscheint, nehmen wir an, was uns schwer und unverständlich erscheint, lehnen wir ab.

Das ist verständlich und menschlich. Aber nicht nur ein Anfang auch ein Ende kann eine Herausforderung sein. Nicht der Reichtum, sondern das Gefühl zusammenzugehören schafft Einheit. Und die größte Gabe des Menschen ist nicht sein Erfindungsreichtum, seine Illusion die Natur zu beherrschen, sondern ist seine Fähigkeit barmherzig zu sein.

Beschränken wir jenes Loben nur auf den Dank für das Gute, dann wird Lob sehr schnell unecht. Aber Gott zu loben hat eine größere Dimension. Jenes Loben umfasst auch die Zweifel, die Klage, ja sogar die Anklage:
Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen.
Gott loben heißt auch mit seiner Verzweiflung und Ohnmacht zu ihm zu kommen, - heißt ihm auch in der größten Not zu vertrauen. Und manchmal ist es sogar ein Anfang zu begreifen:
Warum Gott dies geschehen lassen konnte.

 


 

Die Caspar David Friedrich,
der in seiner Symbolik tief christlich geprägte Maler,
schuf im Jahre 1842 dieses Bild mit dem Titel
„Mann und Frau in Betrachtung des Mondes“,
das die Stimmung des kommenden Herbstes vorwegnimmt.

 


Informationen aus der Kirchengemeinde

Die Ausstellung über Dietrich Bonhoeffer wird im September und Oktober durch zwei Gemeindeabend begleitet. Am 15. September. um 19.30 Uhr erwartet uns ein künstlerisches Programm im Lesecafe, und am 10.Oktober 2002 um 20 Uhr konnten wir den Bischof der Pommerschen Landeskirche zu einem Vortrag über Bonhoeffer gewinnen. Diese Veranstaltung findet gemeinsam mit der Kirchengemeinde Prerow statt.

Sanierungsarbeiten an der Kirche werden im Oktober beginnen. Notwendige Vorarbeiten wurden durchgeführt. Der Erste Abschnitt wird die Wiederherstellung der Anbindung von Dach und Ziergiebel sein. Wasserschäden im Innenraum zu verhindern ist zunächst die vorrangigste Aufgabe. An dieser Stelle sei noch einmal allen Spendern gedankt, die die durch das Land verursachte Finanzlücke auszugleichen halfen.

Müllsortierplatz auf dem Friedhof hat eine neue Zuwegung bekommen. Zunehmend wurde er nämlich durch etliche Zingster Bürger zur allgemeinen Deponie umfunktioniert. Es sei deshalb an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass der Müllsortierplatz keine öffentliche Anlage ist. Gleichzeitig bitten wir, um keine weiteren Gebührenerhöhungen vornehmen zu müssen, den Müll nicht unsortiert abzuladen. Dies verursacht hohe Entsorgungskosten, die wir letztlich umlegen müssen.

Das Lesecafé kann auch für Familienfeiern und andere Feste empfohlen werden. Es ist jetzt unter der Telefonnummer (038232) 169780 zu erreichen. Frau Braun wird Sie bei der Planung gern beraten. Im September und Oktober ist das Café mittwochs und freitags bis sonntags jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Die Sommermusikreihe in der Kirche endet am 27. September. Die nächsten Konzerte sind für die Advents- & Weihnachtszeit und für den Jahresanfang schon in Planung.

 


Entscheidung am Wahltag

von Gisela Nagel

Sehr oft schon habe ich mit der täglichen Post angekommene Werbesendungen sofort in zwei Teile gerissen und sie ärgerlich in den Altpapiercontainer geworfen - garantiert tue ich das mit Lotterieangeboten.

Manchmal öffne ich aber auch Sendungen; so auch vor ein paar Tagen. Darin fand ich neben der freundlichen Aufforderung, eine bestimmte Zeitschrift zu abonnieren auch zwei Karten mit guten Karikaturen. Auf der einen ist ein Vogel Strauß zu sehen, der seinen Kopf tief in den Sand gesteckt hat und somit nichts hört und sieht. Auch einen kleinen Text gab es dazu:

Um klar zu sehen, genügt oft schon ein Wechsel der Blickrichtung.

Ich fand Bild und Text recht bedenkenswert. Und ich dachte mir, in diesen Tagen vor den Wahlen sollten wir uns alle Gedanken über unsere Blickrichtung machen und auf gar keinen Fall den Kopf in den Sand stecken und sagen, dass das doch sowieso alles Quatsch sei und die da oben doch machen, was sie wollen und beide „großen“ Duellpartner sind mir nicht recht, also hat es doch keinen Sinn zur Wahl zu gehen.

Ich denke, so einfach kann man es sich nicht machen. Ich denke, oftmals im Leben müssen wir klar und deutlich Entscheidungen treffen, und dazu sollte man sich schon einige Gedanken machen und die eigene Blick- und Denkrichtung festlegen.

Sicher sind viele von uns von dem ewigen Parteienstreit und den gegenseitigen Anfeindungen und Anschuldigungen enttäuscht und ermüdet. Und dennoch wird uns die Zivilcourage für eine klare Entscheidung abverlangt, meine ich. Denn bei geringer Wahlbeteiligung (also wenn wir zu Hause bleiben und den Kopf in den Sand oder wohin auch immer stecken und von nichts etwas hören und sehen wollen), dann bekommen unerwünschte Parteien prozentual mehr Stimmen. Jede nicht abgegebene Stimme für die erträglichen Politiker zählt als plus für die Unerträglichen. Und ich hoffe, wir sind uns darüber einig, wer die Unerträglichen sind.

Ich bin überzeugt, es lohnt sich, ein paar Gedanken für die Entscheidungsfindung aufzuwenden. Wir alle wissen, wohin falsche Wahlentscheidungen führen können.

Und noch ein letztes Wort: In den Sprüchen des Salomo fand ich diesen:

Einen jeglichen dünkt sein Weg recht; aber der HERR prüft die Herzen.

Ich glaube, das sollten Wähler und Wahlkandidaten bedenken.

 

Geburtstage im September und Oktober 2002

Ilse Darmer
Elisabeth Fischer
Gerda Gast
Gertraud Geyer
Gertrud Giese
Klara Göhring
Wolfgang Heinrich
Gerhard Hünrichs
Ilse Jakob
Ursula Kraeft
Ilse Krüger
Wilma Langner
Karl-Friedrich Libke
Edith Mehte
Ruth Milbratt
Eva Nicklaus
Lieselotte von Oppen
Rita Stehr
Werner Strehlow
Carl-Heinz Tiesler
Gerhard Tietz
Siegfried Troelenberg
Hanni Wentzkat
Gertrud Wilke

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!