Gemeindebrief für Juli und August 2002

 
Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind!”
von Harald Apel

Eigentlich sollte Bonhoeffers schon lange geplanter Besuch bei Gandhi in Indien in jenem Jahr stattfinden. Aber statt um die halbe Welt mit dem Flugzeug zu reisen, ging es dann doch nur mit dem D-Zug von Berlin an die Ostsee. Dietrich Bonhoeffer ändert 1935 seine Pläne. Aus den Städten der Mitte, der Macht, der großen Politik, des Weltgeschehens geht es in den kleinen Ort Zingst am Rande des Meeres. Deutschland befindet sich in Aufbruchsstimmung. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Nach einer Zeit der Verluste setzt man zu neuen Siegen an. Zackig wird im Gleichschritt in die Zukunft marschiert. Und die Kirche steht zwischen Gott und Götzen. Es ist die Bekenntnissynode von Barmen, die am 31. Mai 1934 warnend mit ihren Thesen ins deutsche Land ruft: “Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind!” Fortan geht man unterschiedliche Wege in der Evangelischen Kirche - der eine Weg steinig, mühsam und argwöhnisch beäugt von den Mächtigen, aber nicht von Gott weichend, - der andere auf glattem Asphalt und den Mächtigen in deutscher Treue verbunden.

Bonhoeffer erhält von der Bekennenden Kirche den Auftrag, junge Menschen, die ihr Theolgiestudium abgeschlossen haben, auf den Dienst in dieser nicht Hitler, sondern Gott zugewandten Kirche vorzubereiten. Dieser Auftrag führt ihn nach Zingst - und später Zingst
in die Geschichtsbücher. Der Zingsthof, in der Vorsaison noch mit entsprechender Kapazität, wird zum Ort des Suchens nach Gott in einer Zeit, da ein Volk seinen Götzen gefunden hat. Bis zum Sommer bleibt Bonhoeffer mit den Vikaren in Zingst und stärkt sie in Widerstand und Ergebung. Dann wird der Ausbildungsort nach Finkenwalde bei Stettin verlegt.

Ein Momentscheinwerfer auf jene knapp zwei Monate in Zingst will eine Ausstellung in der Zingster Peter-Pauls Kirche sein. Auf den fünf Tafeln, die mit Zitaten jener Zeit überschrieben sind, wird neben dem Kontext dieser vergangenen Tage auch Bonhoeffers Bedeutung in unseren Tagen beleuchtet. Nicht zuletzt durch George W. Bushs Rede vor dem Bundestag, in der er Bonhoeffer zu den bedeutendsten deutschen Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts zählte und mit seinen Worten auf Bonhoeffers Wort verwies: “Ich glaube, dass Gott aus allem auch aus dem Bösesten, Gutes entsehen lassen kann und will.” Dieses Wort im Kampf gegen den Terrorismus sollte nachdenklich machen, sollte unsere Erinnerung an einen deutschen Theologen schärfen, der nicht nur im Widerstand gegen Hitler, sondern auch in der Ergebung vor Gott lebte. Eine Anregung dazu will diese Sommerausstellung sein.

Besonderer Dank der Gemeinde gilt Herrn Wilfried Schulz aus Berlin, der als Medienbeauftragter der Internationalen Bonhoeffergesellschaft und Vorsitzender des Bonhoefferfreundeskreises Mitte dieses Vorhaben nicht nur mit Rat, sondern auch mit sehr viel Material unterstützte.

 


 

Die Kirchengemeinde plant die Sanierung des Westgiebels der Kirche
- Ein Blick durch die Westfassade auf die Ostzinnen -

 


Zingst im August

Ein Gedicht von Pfarrer i. R. Hans-Ludwig Althaus, einem Zingster Urlauber

Weite Herzen Strände Himmel
Eismann pünktlich mit Gebimmel
Schwimmen Schlendern Ruhen Radeln
Gut für Muckis Lungen Wadeln
Wolken hoch und Ziel vorm Bug
Gänseschrei schon Kranichflug
Marthas Schunkelostseewellen
keine kalten schauerschnellen
Wasser rein und mild und weich
Promenade fester Deich
Wasser unterm kecken Kiel
Volley Lesen Tretmobil
Sande rieseln durch Sandalen
Sonnenuntergänge malen
Farben ins Gem
Turner Nolde Friedrich winken
Wolkendecke die sich sonnt
wer wohnt hinterm Horizont
Bonhoeffer der tiefe Mann
Manchmal legt ein Segler an
Fische frisch und beraucht
Mirjam die nach Muscheln taucht
Dächer rot und reetbepackt
Leute heiter nicht gelackt
An den Zäunen Knöterich
vor den Dünen Pöterich
unten ohne oben frei
wer man ist ist einerlei
Heißer heller Kinderkrach
Kurkarte fragt keiner nach
Farne Schilf und fromme Bäume
hier gedeihen weise Träume
In den Kirchen guter Ton
wie Gott spricht auch früher schon
zur Musik entspanntes Lauschen
ausgeformtes Meeresrauschen
Bodden Fischland Zingst und Darß
ist wird sein und wechselnd wars


 


Regentropfen, die an dein Fenster klopfen,
das merke dir, die sind ein Gruß von mir!

von Gisela Nagel

...So einen Schlager gab es mal vor langer Zeit. Und ist es nicht eine schöne Vorstellung, von jedem Regentropfen mit lieben Grüßen bedacht zu werden?

Da kann man doch ganz getrost im freundlichen Zimmer sitzen, aus dem Fenster schauen und ein bisschen träumen, wer da wohl an einen denken könnte. Und natürlich kann man auch selbst freundliche Grüße mit dem Regen auf den Weg schicken, denn woanders wartet ja auch jemand auf Freundlichkeiten, die der Regen bringen soll.

Mit einem Wort - man kann so eine Regenzeit ganz entspannt für eine Besinnung, für einInnehalten, für ein wenig Selbstbetrachtung, Selbsteinschätzung, Inventur nutzen.…

Vielleicht… Man kann aber auch den ganzen Tag schlechte Laune haben, auf alles wütendsein und schlechte Laune verbreiten und dadurch noch griesgrämiger werden... Das ist auch eine Möglichkeit…

Man kann sich auch wetterfest anziehen, hinausgehen und am Strand oder auf demBoddendeich Regen und Wind oder sogar Sturm die Stirn bieten. Das vertreibt schlechteLaune und Missmut garantiert... Das geht also auch…

Man muss aber nicht raus, um einen Regentag gut zu überstehen. Man kann sich doch auchendlich einmal wieder mit seinem Partner ganz unbeschwert unterhalten, über Belangloseswie das Wetter zum Beispiel oder auch über so gewisse Kleinigkeiten, die im täglichen Leben oft eine so riesengroße Rolle spielen oder was einem sonst gerade so in den Sinn kommt. Vielleicht sagt man seinem Partner auch mal wieder, wie sehr man ihn schätzt, braucht und liebt…Auch eine Möglichkeit…

Oder man besinnt sich auf Spiele: Rommé, Bridge, Canasta, Mensch ärger dich nicht,Scrabble, Dame, Mühle, Halma usw., usw. Na ja, und wenn Kinder mit zu unterhalten sind, muss natürlich auch ein bisschen Spielzeug vorhanden sein, aber auch die Bereitschaft derErwachsenen, gemeinsam mit den Kindern den regnerischen Urlaubstag zu gestalten, damites nicht ein verlorener, sondern vielleicht sogar der schönste wird.

Der schönste, weil alle Zeit für einander hatten, weil es keine Hektik gab, und alle endlichmal in Ruhe für längere Zeit beieinander waren, und keiner von Terminen hin- undhergetrieben wurde.... Was kann es also für einen glücklichen Urlaub besseres geben als den einen oder anderen Regentag.


 

Geburtstage im Juli und August 2002

Alice Bönsch
Margarete Engelke
Erika Jäger
Dieter Littmann
Ingetraut Marquardt
Christel Matthes
Dorothea Niche
Eva Piest
Walter Reuter
Gertrud Rückert
Wilhelm Rückert
Alfred Schielke
Elli Schult
Olga Spiegelberg
Gertrud Stolzenburg
Margot Tornow
Martha Totzek
Gertrud Zingler

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!