Gemeindebrief für Juni und Juli 2005

 

Warum erinnern!?
von Harald Apel

Angeregt durch die “Echolot-Lesungen”, für deren Organisation ich mich noch einmal sehr herzlich bei Frau Sigrid Götsch bedanken möchte, und als eigentlich IV. Teil der Erinnerungen an Bonhoeffer und den Frühling 1935 ist der folgende Text entstanden:

Gerhard Krause stirbt verbittert und von Verfolgungsängsten getrieben 1950. Dietrich Bonhoeffer wird am 8. April 1945 nach einer Morgenandacht abgeholt und ins Lager Flossenbürg gebracht. Hier wird er einen Tag später, am 9.April 1945, nur einen Monat vor Kriegsende, vom Standgericht zum Tode verurteilt und erhängt. Der heiße Krieg wird am 8. Mai 1945 beendet und kurze Zeit später wird der kalte Krieg begonnen.

Sechzig Jahre sind nun seit diesem letzten großen Krieg vergangen, da schießen Sieger mit Raketen auf Regenwolken, um sich die große Parade nicht verhageln zu lassen. Sieger und Besiegte feiern sich als "lupenreine" Demokraten und sind sich einig im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, den aber bitteschön jeder für sich selbst definieren will. Das Gesicht des Krieges wird in Hochglanz gezeigt und was sich menschlich darin spiegelt, lässt betroffen den Blick senken.

Das seufzende und zugleich rechtfertigende “Ja, – aber” scheint in den letzten Zügen zu liegen. Opfern und Tätern soll endlich Gerechtigkeit widerfahren, während über offiziell und privat gepflegten Gräbern der Wind weht. “Nie wieder Krieg” schreibt man in die Ehrenbücher, um sich selbst zu ehren. Ein Feld aus schwarzen Stelen wogt jetzt in Berlin unbeweglich über dem Tod von 6 Millionen Juden mitten da, wo das deutsche Leben pulsiert und man hofft; es tut seine Schuldigkeit für die übrig gebliebene Schuld. Die große Betroffenheit vor Gedenkstätten, vor Fernsehern, auf Tribünen hatte einmal wieder ihre Zeit gefunden.

Etwas vor dieser Zeit ist es, als ein paar Konfirmanden aus Zingst und Prerow nach dem Rundgang durch das Musterkonzentrationslager Sachsenhausen in der Baracke für medizinische Versuche auf einen alten Mann treffen. Er ist an diesem Ort vor 60 Jahren jung und Häftling gewesen. Er sieht die erschrockenen Augen der Halbwüchsigen. Er sieht ihr innerliches Frösteln und ihr Unbehagen. In ihr Erschrecken hinein stellt er die Frage: "Nachdem ihr das alles hier gesehen habt, redet ihr nun auch darüber; warum dies alles Wirklichkeit werden konnte?"

Mit wem kann man darüber reden in diesem betroffenen Land?

Wen soll man fragen, warum hier so viele "willige Vollstrecker" wurden?

Es ist, als hätte der damalige totalitäre Staat die Warumfragen selbst noch über seinen Zusammenbruch hinaus verboten. Gewiss haben Söhne ihre Väter gefragt, warum konntet ihr so etwas tun? Wenn ihnen aber einmal ehrlich Antwort gegeben wurde, dann war und blieb es gefährlich, dass der Sohn den Vater verstand. Zu leicht hätte sich der Sohn möglicherweise als "willigen Vollstrecker" in der Gegenwart erkennen können.

Vielleicht ist es 60 Jahre nach dem letzten Krieg erst einmal nötig zu erkennen, dass mit dem Zelebrieren von Betroffenheit die Schuld einfach nicht kleiner wird. Gewiss ist sie mit dem Fragen nach dem Warum nicht aufzulösen. Aber sie so selten oder gar nicht zu stellen, heißt am Ende vielleicht, der Schuld das Menschenmögliche schuldig zu bleiben. Wer mit seinem Fragen auf den Grund gehen will, muss die Oberfläche durchbrechen. Das ist nicht selten gefährlich, egal ob nun diese Oberflächen aus starrem Eis oder in zielloser Bewegung sind. Wohin gelangt man mit einer Haltung, die nicht tiefer nachfragen will? Wohin führt ein Denken, das gar nicht mehr sucht, sondern nur noch nach dem Satz funktioniert: -Wenn man es schon nicht verboten bekommt nach dem Grund zu fragen, dann will man ihn doch wenigstens ignorieren können.

Wer ins Damals fragt: Warum die Juden?, dem drängt sich im Jetzt die Frage auf: Warum die Ausländer? oder: Warum ist der Völkermord in Afrika nicht das Thema in den Medien geworden, wie das Geschehen um den 11 September 2001. Es waren doch auf dem dunklen Kontinent unzählig mehr Tote zu beklagen. Und wenn er dann die vergangenen mit den gegenwärtigen Begründungen vergleicht, dann sind sie so erschreckend ähnlich.

Wer fragt, warum so ein Wicht, wie Adolf Hitler, zu so einer politischen Größe aufsteigen konnte, der muss möglicherweise erschauern vor der Antwort, dass er fast ein ganzes Volk mit seinen Versprechen bediente. Den Arbeitern versprach er Arbeit, den Unternehmern Profit, den Gedemütigten Genugtuung, den Hasserfüllten einen Feind.

Wer die Massen bedient, kann sich der Massen bedienen!

Resultiert die politische Verlogenheit damals wie heute aus dem gleichen Prinzip, einem Prinzip, dass ebend keine Prinzipien kennt?

Das Geheimnis der Erlösung liegt in der Erinnerung, so tradiert es jenes Volk, für das man im Dritten Reich die Endlösung vorgesehen hatte. Weder mit Paraden noch mit dem gesenkten Blick der Betroffenheit sind wir mit unserer Erinnerung in der Gegenwart angekommen. Aber vielleicht hilft es mit der Erfahrung der Vergangenheit die Gegenwart zu reflektieren, denn die politische Aufgabe derer, die sich als Kirche verstehen, bleibt: "Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind."

Information

In den Herbstferien steht das Angebot, mit Jugendlichen ab 13 Jahren an einem Internationalen Workshop zu jiddischer Musik in Bonn teilzunehmen. Vom 9. bis zum 16. Oktober 2005 werden Jugendliche aus Polen, Tschechien, Israel und Deutschland zusammentreffen und ein gemeinsames Konzert vorbereiten. Wer also Freude am Gesang hat, kann sich im Pfarramt hierfür anmelden. Der Teilnehmerbeitrag ist 85 €. Die Anmeldung sollte bis 31. Juli erfolgen.

 

Lesecafé
von Sigrid Götsch

Liebe Freunde des Lesecafés,

innerhalb der Kirchengemeinde gibt es nun ein Kuratorium, eine demokratische Instanz, das die Geschicke des Lesecafés weiter bestimmen wird.

Das nunmehr verflossene Lesecafé möchte vor diesem Hintergrund nicht versäumen, Herrn Pfarrer Apel für seine Ermunterung, Rat und Tat bei der Realisierung interessanter Projekte, seine Offenheit zu danken, ohne die der Geist des Lesecafés im vergangenen Jahr ein anderer gewesen wäre. Das nunmehr verflossene Lesecafé hat in der Zeit viel lernen können und ist darüber froh und dankbar. Es nutzt die Möglichkeit, Sie auf diesem Wege anzusprechen und Ihnen, seinen Freunden, Liebhabern und allen Wohlgesinnten, für viele gemeinsame Erlebnisse, Zuspruch, wunderbare, in großer Albernheit vertändelte Stunden und ernste Begegnungen zu danken.

Barth, den 6. Juni 2005

 

Sonne der Gerechtigkeit
von Gisela Nagel

Im Orgelkonzert bot Professor Lekkerkerker, der Organist, an Variationen über einen Choral nach Publikumswünschen zu spielen. Ganz schnell kam der Wunsch nach "Sonne der Gerechtigkeit". Und natürlich wurde er freundlich erfüllt.

Die Christenlehrekinder wurden kürzlich nach einem Themenwunsch für den nächsten Familiengottesdienst gefragt. Ganz schnell kam der Wunsch nach dem Thema "Gerechtigkeit".

Doch das Thema “Gerechtigkeit” ist ein sehr “weites Feld”. Ich kann nur versuchen, einige Denkanstöße zu geben.

Wenn jemand von Gerechtigkeit oder schreiender Ungerechtigkeit spricht, fühlt er sich meist selbst ungerecht behandelt. Er hat also seine eigene, ganz subjektive Sichtweise der Sachlage. In dem Wort Gerechtigkeit steckt das Wort Recht .Es ist mein gutes Recht... Wir sind überzeugt, gewisse Rechte zu haben, sie einklagen zu können. Wo versuchen wir, "unser Recht" zu bekommen? Bei unseren Familienmitgliedern, beim Chef, bei diversen Ämtern, bei der Gewerkschaft, bei der Regierung...

Welchen Stellenwert räumen wir in dieser Rangliste GOTT,
GOTTES Sonne der Gerechtigkeit ein?

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Hiob, dem doch nach menschlichem Ermessen, so schreckliches Unrecht widerfahren ist, dass es uns an GOTT zweifeln und fast verzweifeln lässt. Aber wir wissen auch: Hiob bleibt fest im Glauben und "...der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Und der HERR gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt hatte."

Hiob in seiner Not und Bedrängnis tut Fürbitte für andere. Kann das ein Schlüssel sein, der uns Zugang zu GOTTES Gerechtigkeit verschafft? Bei all unserem Verlangen nach Recht und Gerechtigkeit müssen wir doch auch selbst bereit sein das Rechte zu tun. "Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht".

Leider gibt es in unserer Welt tatsächlich soviel schreiende Ungerechtigkeit, dass man manchmal daran zu verzweifeln scheint. Doch wenn wir im Kleinen, in unserem Umfeld mit gerechtem, richtigen Handeln beginnen und nicht nur unsere eigenen Befindlichkeiten pflegen, mag die Sonne der Gerechtigkeit vielleicht doch einmal weitere Kreise erreichen. Auch Gebete und Fürbitte können der Sonne sicher das Durchbrechen der Wolkenbänke, aufgebaut aus Egoismus, Eigennutz, Missgunst… erleichtern.

"Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, und die Wahrheit redet von Herzen, wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht… Wer das tut, wird nimmermehr wanken"

Gisela Nagel

 
 
Geburtstage im Juni und Juli 2005

August Bitter
Margarethe Glatow
Margarete Heldt
Ingetraut Hartmann
Hildegunde Hoffmann
Elfriede Hoth
Dorothea Niche
Felicitas Mosebach
Jutta Orgel
Ursula Parow
Günter Peter
Siegfried Pfeiler
Paul Radke
Alfred Schielke
Elfriede Schneider
Erika Ukat
Gertrud Stolzenburg
Anita Werner
Ilse Zornow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!