Gemeindebrief für Mai und Juni 2007

 

Nahe am Original
Zur abschießenden Gestaltun des Chorraumes in der Peter-Pauls-Kirche, Zingst.

von Jürgen Koerber

Nachdem die zentrale Chor-Wand die von Ludvík Cejp geschaffenen Tafeln mit dem Kruzifix und den Skulpturen Petrus und Paulus aus der Hand Begas’ erhielt, hat sie wieder eine ihrer Bedeutung entsprechende Gestalt angenommen. Dazu passend wurde vom gleichen Künstler der Altar von Grund an neu aufgebaut. Somit sind die Hauptstücke des Kirchenraumes wieder in die ihnen zukommende würdige Form gebracht.

Nun gilt es, Wände und Decke des Raumes selbst zu sanieren und das geschieht in zwei Schritten: Zunächst mussten die so störenden Feuchtigkeitsschäden, der Gemeinde schon lange ein Dorn im Auge, beseitigt werden. Das ist bereits geschehen. Nun gilt es, die umhüllenden Flächen mit den adäquaten Farben zu versehen - und die können nicht beliebig gewählt, sondern nur sorgfältig im Kontext zum denkmalgeschützten Baubestand aus wenigen Alternativen herausgefiltert werden.

Die Bauberatung der Landeskirche, vertreten durch ihren Architekten Gerd Meyerhoff, riet hierzu, das Gutachten eines erfahrenen Restaurators hinsichtlich der in den letzten 145 Jahren mehrfach übermalten Flächen einzuholen mit dem Ziel, Kenntnis von dem ursprünglichen Zustand, der ja auf den Entwerfer, den Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler (1800-1865) zurückgeht, zu erhalten.

Das Gutachten des in solchen Fragen erfahrenen Restaurators W. D. Thormeyer VDR liegt seit kurzem vor und hat bis zu sechs sich überlagernde Schichten an’s Licht gebracht. Die Ergebnisse sind teilweise als “Fenster” an der südlichen Chorwand sichtbar und sollen so auch weiterhin offengehalten werden; zeigen sie doch anschaulich nicht nur die ursprüng-lichen Farbtöne, sondern auch dem jeweiligen Zeitgeist späteren Datums verhaftete weitere Dekorationen wie die um die Jahrhundertwende gern verwendeten gemalten “Draperien”, gemalte Stoffbespannungen mit Faltenwurf auf blauem Grund oder spätere flächige Töne mit rotbraunem Grundton.

Als wesentliches Ergebnis ist jedoch die durch das Gutachten Thormeyer zutage geförderte Erkenntnis anzusehen, dass die Gewölbekappen d.h. die gebogenen, auf die Konsolen zwischen den sog. Rippen spitz zulaufenden Deckenflächen im Original-Zustand des Gebäudes mittelblau gestrichen waren. Und gerade dies kommt den Intentionen einiger Verantwortlicher entgegen, die analog zu anderen Beispielen der gleichen Bau-Epoche zu dem Vorschlag neigen, die Gewölbe anders als die (in hellem Sandstein-Ton empfohlenen) Wände und eben blau zu gestalten.

Blaue Decken sind ein Merkmal schon der Schinkel-Bauten. Als Beispiel möge Neu-Hardenberg im Oder-Bezirk oder, vor einiger Zeit erfolgreich restauriert, Sehlen auf Rügen dienen. Die Farbe intendiert Weite, Luft, Himmel und setzt im Raum das fort, was das Auge auch außerhalb des Gebäudes als Sinnbild der Unendlichkeit bewusst oder intuitiv wahrnimmt. Im modernen Kirchenbau wird das über dem Altarraum natürlich realistisch und mit Klarglas erreicht, sei es vom Besucher sichtbar oder, wie in der berühmten Kapelle von Ronchamps (Le Corbusier) in den Vogesen, mit Hilfe verdeckten Lichteinfalls erzielt.

Die gegenwärtig zu flach wirkende weil einfarbige Tönung von Wand und Gewölbe durch einen Kontrast zu ersetzen, das heißt dem Original nahe kommende blaue Deckenfelder zwischen grauen Rippen mit schwarzen Lisenen (auch dies ein Ergebnis der Untersuchung), ist damit die logische Folgerung aus der Beschäftigung mit der Baugeschichte und ihren aktuell fest gestellten Relikten

  



Restaurator Thormeyer (Stralsund) bei der Untersuchung
der Wandbemalung im Altraraum der Zingster Kirche

 

"Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Matthäus 25)

von Hedwig Dorothea Affeldt

„Ich habe in meinem Leben so viel Gutes für meine Kinder und auch andere Menschen getan, aber gedankt hat es mir niemand!“

Dies habe ich oft gehört und jedes Mal fällt mir das für mein Leben mitbestimmende Erlebnis ein: Bei einem meiner Besuche in Ungarn fuhren meine ungarischen Freunde mit mir zu einer alten Kirche auf dem Lande, um mir ein berühmtes Bild eines unbekannten Malers zu zeigen.

So stand ich vor einem großen Wandbild „Christus am Kreuz“. Das Gesicht des gekreuzigten zeigte einen unbeschreiblichen Schmerz und ein so starkes Leiden, dass ich tief ergriffen war. Die Schrift darunter wurde mir übersetzt: „Ich habe für dich gelitten, was tust du für mich?“

„Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern das habt ihr mir getan…“

Also, wenn wir unseren Kindern und anderen Menschen Gutes tun, kann dies unser Dank an Christus sein für sein leiden für uns, so dass wir von den Menschen nicht unbedingt Dank erwarten müssen. Sein Leiden, Sterben und Auferstehen ist das größte Geschenk an uns, denn es gibt Hoffnung auf das Heimkommen zu Gott nach unserem Erdendasein.

   


Krieg und Frieden“

von Gisela Nagel

“Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.”

Das sind Worte von Friedrich Schiller, einem der großen Dichter und Denker, der von 1759 bis 1805 gelebt und gewirkt hat. Und ganz sicher ging es ihm in dieser Aussage nicht nur um kleine Nachbarstreitigkeiten um einen Zaun oder dergleichen.

Sicher haben viele von uns noch sehr lebhaft die Kriegsjahre des 2. Weltkrieges in Erinnerung und dessen Ende, das wir in 50 Jahren DDR jährlich am 8. Mai als “Tag der Befreiung” begingen, sogar mit einem freien Tag. Tag der Befreiung? Ja, der Krieg wurde beendet und die Nazi-Diktatur zerschlagen. Und die Überlebenden konnten wieder hoffen und an Neuanfang denken. Und für die meisten war es klar: Es darf nie wieder Krieg geben.

Befreiung? Für all die “Umsiedler” aus den östlichen Teilen des “Deutschen Reiches” war dies doch eine sehr zwiespältige Sache mit der “Befreiung”. Sicher werden in nächtlichen Alpträumen immer mal wieder Szenen aus dieser Zeit lebendig. Aber vielfach hütet man sich, darüber zu sprechen. Vielleicht ist die Angst zu groß, die Angst vor der Flut der ungeweinten Tränen, die sich im Innern angestaut haben. Doch manchmal könnten mit heißen Tränen auch schlimme Verkrustungen weggespült oder doch wenigstens gemildert werden. Vielleicht hat man aber auch Angst, die Jüngeren mit den “alten Geschichten” zu langweilen, zu erschrecken. Aber sind die Jüngeren wirklich nur auf Jux und Fun aus? Oder möchten sie nicht vielmehr alles über die geliebten Groß- und Urgroßeltern wissen? Möchten verstehen, was ab 1933 geschehen ist und wie es zu diesem schrecklichen Krieg kommen konnte, der dann 1945 beendet wurde, und dessen Folgen furchtbar waren.

Gab es doch unendliches Leid, als Tausende Menschen ihre Heimat verlassen mussten, als sich große Trecks auf den höchst ungewissen Weg ins Nirgendwo machten. Doch diese Trecks, die wie dunkle Ameisenstraßen dahin zogen, waren keine anonyme Masse, sie bestanden aus Tausenden von Einzelschicksalen, aus Menschen, die Haus und Hof, Heimat, Vertrautes hatten verlassen müssen. Wir alle kennen solche Geschichten aus Büchern, aus dem Fernsehen. Ja, für den einen sind es Geschichten, die ihn das Grauen lehren können, aber für die vielen anderen ist es erlebte Wirklichkeit, ein Teil ihres Lebens.

Nie wieder Krieg! Und “Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt”. So dachte man, und glaubte, die Kriegsgefahr sei für immer gebannt. Doch seit 1945 hat es in aller Welt schier unzählige Kriege und Vertreibungen und Menschen verachtende Aktionen gegeben, und täglich geschehen neue Verbrechen an der Menschheit. Man könnte geradezu verzweifeln, wenn nicht die Chance bestünde, dass GOTTES Wille sich Bahn bricht und die Menschen von seinem Geist beseelt werden, so dass Neid, Habsucht, Missgunst und Machtgier nicht mehr die Triebfedern des Handelns von Nachbarn und Politikern sind. Der Prophet Jesaja hilft uns, die Hoffnung nicht aufzugeben: “Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

 
 
Geburtstage im Mai und Juni 2007

Hildegard Angott * Eugenie Bernstein * August Bitter

Ernst Bräutigam * Dorothea Dettlof * Lieselotte Diekelmann

Margarete Galow * Marianne Gottschewsky * Ingetraut Hartmann

Sieglinde Jeske * Margarete Heldt * Else Hoffmann

Elfriede Hoth * Herbert Hückstedt * Helmut Kunst

Ursula Lieber * Günter Lingrön * Annedore Möller

Felicitas Mosebach * Jutta Orgel * Günter Peter

Paul Radke * Ursula Radke * Wolfgang Rahn

Vera Schüler * Horst Seefeld * Anita Werner * Ilse Zornow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!