Gemeindebrief für April und Mai 2005

 

Pfingstgedanken
von Gisela Nagel

„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist GOTTES schwebte auf dem Wasser.“

„Und GOTT schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde GOTTES schuf er ihn,; und schuf sie als Mann und Weib.“

Ich denke, man kann sich diese Bibelzeilen gar nicht oft genug vergegenwärtigen, was heißt, gründlich darüber nachzusinnen, sich der Bedeutung ihrer Worte bewusst zu werden.

Manch einer mag die Schöpfungs-geschichte, aus der die beiden Zitate stammen, als gute alte Mär beiseite legen. Aber hat nicht jede Mär, jede alte Erzählung, Sage oder Legende ihren sehr glaubwürdigen, handfesten Kern?

Wir alle sind Nachfahren dieser ersten Menschen, die durch GOTTES Odem, seinen Geist, seinen heiligen, heilenden Geist zum Mensch-Sein erweckt wurden. Wir alle tragen dieses Erbgut in uns. Es ist uns nur leider meistens nicht bewusst. Wir haben noch nie darüber nachgedacht. Wir können es uns nicht vorstellen, weil wir so sehr von unserer Bedeutungslosigkeit, von unserer Kleinheit, von unserer Machtlosigkeit überzeugt sind.

Ich fand eine winzige Geschichte, die das unterstreicht: Rabbi Schlomo fragte: „Was ist die schlimmste Tat des bösen Triebes?“ Und er antwortete: „Wenn der Mensch vergisst, dass er ein Königssohn ist.“ Ich möchte hinzufügen: wenn er vergisst, dass er mit GOTTES Geist ausgestattet ist, dass er von Schöpfungsbeginn an von GOTT gesegnet ist. Mit dem Segen, den wir auch bei Taufe, Konfirmation und im sonntäglichen Gottesdienst erfahren.

Wann haben Sie zum letzten Mal gelächelt? Ich meine nicht, jemanden angelächelt oder herzhaft gelacht, nein einfach still für sich allein gelächelt? Etwa über etwas Schönes, das Sie gesehen haben, oder eine gute Erinnerung, die plötzlich aus tiefer Vergangenheit auftauchte? Ich glaube, solch ein völlig spontanes Lächeln kann sehr wohl ein Ausdruck des Wirkens des heiligen Geistes sein. Und es kann sehr ansteckend wirken, wie ein versteckter Virus. Es gibt Zusammenkünfte, wo man dieses „innere Lächeln“ der Teilnehmer sehr deutlich spürt, ohne dass auch nur einer wirklich lacht. Und man fühlt sich wohl und geborgen. Und es gibt andere Zusammenkünfte, wo laut gelacht wird, und man fühlt doch nur Unechtheit und Leere (Wobei natürlich auch lautes Lachen sehr wohltuend sein kann...).

Was fasziniert uns denn so an kleinen Kindern? Sie sind ehrlich in ihren Empfindungen und Aussagen. Und sicher lassen sie das Wirken des heiligen, heilenden, heilen Geistes noch zu, ohne davon zu wissen. Vielleicht fordert uns deshalb Jesus auf, zu werden wie die Kinder; damit wir GOTTES guten Geist wieder an uns heran lassen, ohne unsere Blockaden aufzubauen. Vielleicht gelingt es uns ja sogar, alte Blockaden abzutragen… Uns zur Freude, und damit unseren Mitmenschen in Nah und Fern zum Segen.

 




„Geistsendung zu Pfingsten“ (St. Gallen um 1050)

 

Kempowski-Lesung
von Sigrid Götsch

„(...) bin ich besessen von der Aufgabe zu retten, was zu retten ist, ich habe nie etwas liegenlassen können, (...) ich habe alles gesichtet und geordnet. Den Guten, die auch immer ein wenig böse sind, und den Bösen, die auch von einer Mutter geboren wurden, habe ich zugehört, (...) Diese Arbeit rief in mir die unterschiedlichsten Gefühle wach: Verständnis und Verachtung, Ekel und Trauer. (...) als ich den großen Chor beisammen hatte, (...) stand ich plötzlich unter ihnen, und es überwog das, was wir mit dem Wort `Liebe´ nur unzulänglich bezeichnen können. (...)“

Aus: Walter Kempowski, Das Echolot, Ein kollektives Tagebuch, Januar und Februar 1943, Band I, 1. bis 17. Januar 1943, Statt eines Vorworts, 1997

Das Lesecafé lädt am 4. und 11. Mai , jeweils um 19.30 Uhr zu einer Reihe von Lesungen aus Walter Kempowskis „Das Echolot – Ein kollektives Tagebuch“. Kempowskis Werk ist ein vielstimmiges Zeugnis der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges - eine vielbändige Collage aus Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, Archivunterlagen u. v. a. m.

Alle Interessierten sind eingeladen, Passagen aus dem „Echolot“, denen sie besonderes Gewicht beimessen, unkommentiert oder mit individuellen Erläuterungen zu lesen, einfach zuzuhören oder sich wie auch immer einzumischen. Das Lesecafé möchte möglichst viele Mitwirkende gewinnen, zur beliebig häufigen Teilnahme (an ein, zwei oder drei Abenden).

Je mehr Teilnehmende das Forum an den drei Abenden umfasst, desto deutlicher können wir gemeinsam die Vielschichtigkeit des Werkes erfahren.

Im Lesecafé liegen Texte (Auszüge aus dem „Echolot“ zum Mitnehmen) zur Vorbereitung der Abende bereit. Bitte geben Sie uns Ihre Anschrift oder Telefonnummer, damit wir Ihnen diese Texte zukommen lassen können; am Besten sonntags nach dem Gottesdienst im Lesecafé oder unter 038231/89386, abends (Sigrid Götsch).

Das Lesecafé bittet um eine Spende in beliebiger Höhe anstelle eines Eintrittsgeldes. Es wird die Zuwendungen zur Beschaffung von Büchern verwenden.

 

Theater
von Harald Apell

Haben Sie vielleicht Zeit für ein bisschen Theater? Wenn ja, dann sind Sie ab April herzlich eingeladen mitzuspielen!

Vielleicht ist es verwegen, den wohl berühmtesten Bühnensatz: „Sein oder nicht sein!“ nur um ein kleines Bindewort zu verändern und zu erklären: „Sein und nicht sein! – Das ist auch die Frage!“ Doch diese Respektlosigkeit führt in das Geheimnis und die Faszination des Theaterspielens und zugleich auf das weite Feld der Religion. Dass man es ist und es trotzdem nicht ist, in diesen Zustand begibt man sich, wenn man die Bretter betritt, die die Welt bedeuten. Wer man ist und wer man nicht ist, das bestimmt unsere Sehnsucht, ist Grund menschlichen Suchens und göttlicher Verheißung.

Und obwohl es im ersten Augenblick so scheint, dass es beim Theaterspielen um eine eher handwerkliche Herausforderung geht, bei der Religion dagegen um eine sehr persönliche, finden doch beide eine sinnvolle Ergänzung. Auf der Bühne bedarf mein Spiel einer gewissen Leichtigkeit, im Gotteshaus dagegen stehe ich oft mit all meiner Erdenschwere. Es etwas leichter zu nehmen und von der eigenen Last etwas abzuwerfen, macht oft freier, der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Wer also Spaß und Mut hat, sich spielend den großen Fragen nach Sein und Sinn zu stellen ist herzlich, jeweils am 2. und am 4. Mittwoch des Monats (13. und 27.4 und 11. und 25.05.) eingeladen. Das ganz große Theater unserer Tage etwas zu verdichten, es im kleinen zu erproben und damit ein neues Feld der Gemeindearbeit in Form von Bühnenbrettern zu betreten, könnte eine recht viel versprechende Aufgabe sein. Es muss ja nicht immer nur das Krippenspiel zu Weihnachten sein. Es ist vorstellbar unsere noch etwas verwaiste Bühne im Peter-Pauls-Garten dafür zu nutzen. Ich würde mich freuen, wenn ich am 13.04. um 17.30 Uhr im Lesecafé mit einem ersten kleinen Ensemble ein bisschen Theater machen dürfte.




Theateraufführung in der Kirche

 
 
Geburtstage im April und Mai 2005

Irma Anders
Hildegard Angott
Dora Beier
Eugenie Bernstein
Lieselotte Diekelmann
Otto Gräf
Margarete Hennig
Herbert Hückstedt
Ingelore Hückstedt
Frieda Jarling
Ursula Lieber
Erika Müller
Annedore Möller
Günter Lingrön
Walter Niche
Vera Schüler
Horst Seefeld
Herta Siebenbaum
Günter Thämitz

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!