Gemeindebrief für März und April 2006

  

Sie gut zu Dir selbst

von Gisela Nagel

Sicher kennen Sie das Märchen von der “Prinzessin auf der Erbse”. Erinnern wir uns; das war doch die, die ihre königliche Abstammung unter Beweis stellen musste und der man zur Nacht eine Erbse unter ihre dicken Matratzen legte. Und was geschah? Das arme, arme Mädchen hat die ganze Nacht furchtbar gelitten. Ihr schlimmes Leiden war schier unerträglich und sie fand absolut keinen Schlaf……

Ach, man könnte fast mit leiden, wenn man sich vorstellt, wie sie sich schlaflos in diese oder jene Lage gewälzt hat, um der Pein zu entkommen. – Doch wie leicht hätte sie der Sache auf den Grund gehen können, wenn sie auch nur einen Gedanken dafür verwendet hätte, dass sie sich selbst helfen könnte. Des Leidens Ursache wäre mit Leichtigkeit zu beseitigen gewesen. Natürlich hätte sie selbst Hand anlegen müssen, aber auf die Idee ist sie nicht gekommen, und so konnte sich ihr Leiden voll entfalten und ganz Besitz von ihr ergreifen.

Ganz sicher gibt es weltweit ernstere Leidensursachen. Manchmal meint man, unter den Ungerechtigkeiten in der Welt zu verzweifeln: Hungersnot, Hungerstod, unheilbare, epidemienhafte Krankheiten, Kinderhandel, Kindesmissbrauch, Zwangsprostitution, Psychoterror, Sektentum……

Kann man damit leben? Man muss es! Man muss dieses fremde, weit entfernte Leid ertragen lernen, um selbst stark zu bleiben. Um so stark zu werden, zu sein zu bleiben, dass man ausreichend Kraft für mentale und materielle Hilfe entwickeln kann. Nun kann nicht jeder von uns als “Arzt ohne Grenzen” in schlimmen Regionen helfen, und wir können auch nicht als Prominente Hilfsorganisationen ins Leben rufen. Aber vielleicht hilft es ja weltweit ein bisschen, wenn alle gerechten Menschen der Welt sich im Gebet, ganz gleich welcher Art es auch sei, für gesunde, heile Verhältnisse einsetzen. Und auch mit einigen materiellen Opfern können wir vielen kleinen Spender Großes ausrichten.

Aber ich glaube auch, um leidende Menschen zu sehen, brauchen wir nicht in weite Fernen zu schweifen. Auch hier in unserer Wohlstandsgesellschaft gibt es unzählige Probleme, die sich zu Leid auswachsen können: Zum Beispiel Arbeitslosigkeit und die ständige Angst davor. Es gibt eine Vielzahl von lauernden Krankheiten und die ständige Angst davor. Es gibt das Sterben und die ständige Angst davor. …… Ich bin ziemlich sicher, dass die Angst vor allem Möglichen und Unmöglichen in vielen Fällen unser Leben beherrscht. Doch Angst schwächt uns, Angst macht uns anfällig, sie macht uns handlungsunfähig. Angst lässt uns zu leichter Beute für die lauernden Gefahren werden. Angst, Missmut, Kleinmut und das ständige Herauf-beschwören von unliebsamen Erlebnissen machen uns krank, so dass dann aus einem mittelgroßen Problem ein ernsthaftes Leiden werden kann. Man kann es oft verhindern.

In einem Gebet aus England von 1692 (Desiderata) heißt es: “Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre / gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes / damit sie Dich in plötzlich herein brechendem Unglück schütze. Aber beunruhige Dich nicht mit Einbildung. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin – sei gut zu Dir selbst. …… Trotz all ihrem Schein / der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.”

 



Der Mutter-Kind-Kreis der Kirchengemeinde hat an einem Wochenende
im Januar eine gemeinsame Freizeit im evangelischen Landschulheim
in Sassen bei Greifswald verbracht.

  

Späte Rehabilitation

von Susanne Ziehank-Lipkel

“Versage keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben.” Sprüche 3, 27.28

Dies könnte das Motto sein, unter dem der Leipziger “Freundeskreis zur Unterstützung ehemaliger jüdischer KZ- und Ghetto-Insassen im Baltikum” e.V. um Unterstützung bittet. Der 1994 von Pfarrer Enders und seinen Freunden gegründete Verein möchte den Betroffenen vor allem materielle Hilfe zukommen lassen. Fast alle ehemaligen KZ- und Ghetto-Insassen sind bei schlechter Gesundheit und werden durch staatliche Mittel nur sehr gering unterstützt. Da würde ohne Hilfe des Vereins kaum die nötigste Versorgung möglich sein. 1998 und 2002 konnten aus deutschen Spendenmitteln zwei Krankenzimmer im jüdischen Krankenhaus “Bicur Holim” in Riga ausgebaut und ausgestattet werden, um eine würdige Behandlung möglich zu machen.

Bei der diesjährigen Aktion “Hoffnung für Osteuropa”, die am 5. März deutschlandweit von den Evangelischen Kirchen eröffnet wird, bittet auch der Leipziger Freundeskreis um Ihre Spenden. Das Projekt “Späte Rehabilitation” möchte den 55 hochbetagten Betroffenen einen zweiwöchigen Kuraufenthalt finanzieren. Sie sollen im Sanatorium in der Nähe von Riga etwas Schönes erleben dürfen und ihre körperlichen Beschwerden lindern.

Wenn Sie an näheren Informationen interessiert sind, gebe ich Ihnen gerne Auskunft. Spenden können Sie im Pfarramt abgeben und bekommen dafür auf Wunsch eine Spendenquittung.

...oder direkt an die Kirchengemeinde Connewitz-Lössing:

Kennwort: Riga
Kto.-Nr: 103 680 026
Landeskirchliche Kreditgenossenschaft Dresden
BLZ: 850 951 64

 

Was sollen wir nun sagen
-
Ein Text zu den Texten des Altarbildes -

von Harald Apel

Manchmal, wenn Paulus eine pointierte Feststellung an den Anfang seiner Überlegung stellte, folgte seine Frage:”Was sollen wir nun dazu sagen?” Und vielleicht ist solcher Ausgangspunkt, bezogen auf einen der beiden Namenspatrone unserer Kirche, der rechte Anfang etwas zu den Bibeltexten unseres neuen Altarbildes zu sagen.

– Das Bild allein konnte es natürlich nicht tun, es musste das Wort hinzukommen – um es in einer etwas abgewandelten Form mit einem Lutherwort zu den Sakramenten zu sagen. Wichtig schien es, das Statische und ja doch Unbewegliche der Bilder in eine gewisse Bewegung zu versetzen. Dies anhand von Bibel-zitaten zu tun, war nun naheliegend. Wer die Texte liest, dem werden sofort die Spannungen der Aussagen auffallen und Spannungen führen ja bekanntlich zu Bewegungen.

Während die Rahmen in den Selbstaus-sagen der abgebildeten Personen den Widerspruch alles Menschlichen und seines Makels bezeugen, ist einzig das Wort Jesu: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände ein Durchbrechen dieser Grenzen. Dies geschieht nachdem der tiefste menschliche Abgrund mit den Worten: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ausgelotet scheint.

Die beiden Namenspatrone unserer Kirche bleiben dagegen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Petrus ist in seinen zwei sehr widersprüchlichen Aussagen zu Christus ein befreiter und zugleich gefangener Jünger, wenn er nämlich frei bekennt Du bist der Christus und ängstlich verleugnet “Ich kenne den Menschen nicht”.

Paulus andererseits spricht in Erkenntnis seiner selbst, wenn er weise feststellt: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

All dies ist uns nicht fremd. Wir sind Knechte und Freie immer zugleich und wir wollen so oft, was uns nicht gelingt. Wir fühlen uns von Gott verlassen und verlassen uns zugleich auf Gott. Das alles ist irdisch, ist alltäglich, ist eben menschlich. Jedoch fußt es auf dem Versprechen, das himmlisch, – das göttlich ist: Aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen. Das ist der Grund auf dem unsere Hoffnung wächst.

Die Texte in den Feldern geben eine kurze Erklärung zu den abgebildeten Personen. Während Schlüssel und Fels den Apostel Petrus mit Worten Jesu beschreiben, ist bei Paulus die eigene Verwandlung durch die Begegnung mit dem auferstandenen Christus hervorgehoben. Aus dem Verfolger wird der Verfechter. Schwert und Schlüssel sind also sichtbare Zeichen von Text und Figur. Dieses sichtbare Zeichen bleibt jedoch im Kruzifix verborgen. Fast gegensätzlich zu allem Sichtbaren steht neben dem Leidenden: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Macht und Ohnmacht zeigen sich ganz nah beieinander. Sie scheinen in ganz menschlicher Art aufgehoben. Aber das ganz zu verstehen zeigt uns am Ende nun wieder, dass alles – unsere Bilder, unser Sollen und Wollen, ja und auch unser Verstehen - seine Grenze hat und wir am Ende wieder da sind, wo wir aufbrachen, bei der Frage: “Was sollen wir nun dazu sagen?”

 
 
Geburtstage im März und April 2006

* Irma Anders * Dora Beier * Otto Gräff

Hiltrud Graef * Margarete Hennig * Horst Holm

Ingelore Hückstädt * Frieda Jarling * Irene Kook

Herbert Kugler * Jürgen Lorenz * Werner Petz

Ellinor und Dietrich Pauls * Hans Schüler * Walter Niche

Christel Petersen * Ursula Schomann * Herta Siebenbaum

Alice Tabbert * Dr. Käte von Wedelstädt * Günter Zantow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!