Gemeindebrief für März und April 2003

 

„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute
tun sollen, das tut ihnen auch.“ Matth. 7,12

von Harald Apel

Immer wieder geraten wir zwischen die Dinge dieser Welt. Unentschlossen, unentschieden verharren wir ohne Aussicht im tiefsten Nebel. Und aus diesem weißen Nichts ruft es geheimnisvoll „Ihr müsst Euch entscheiden!“ Es sind ferne Stimmen derer, die ihre Entscheidung gefällt haben. „Entweder oder“; „dafür oder dagegen“; „ja oder nein“; „Krieg oder Frieden“.

Eifrig wird debattiert, als gelte es wieder einmal „Überzeugungsarbeit“ zu leisten. Es wird suggeriert, als gebe es nur eine wahre Antwort und daneben oder gegenüber wäre kein Leben möglich, - gebe es kaum Luft zum Atmen. Alle wollen die Welt retten und ziehen gegeneinander in den Krieg, weil sie unterschiedlicher Auffassung von der Rettung der Welt sind. Vielleicht weist der Meinungskrieg um den Frieden schon symptomatisch auf eines der eigentlichen Probleme hin, nämlich die zunehmende Unfähigkeit, die ganz andere Meinung zu hören.

Statt des Verstehens pflegt man das Missverständnis, statt eines Konsenses sucht man sich ohne Abstriche durchzusetzen Man gießt Öl ins Feuer, indem man immer nur sein Unverständnis äußert. Aber statt Front zu machen, sollte man sich verständlich machen. Wer erklärt: „Kein Blut für Öl“, muss sich erklären zu der Frage: „Also weiter Blut für Saddam Hussein?“ Wer erklärt: „Ein Krieg ist unausweichlich“, muss erklären, wie dieser Krieg den Frieden bringen soll. Es muss nicht zwangsläufig der Terrorist mit Terror besiegt werden und der Kriegstreiber mit Krieg. Die Ursachen für Krieg und Terror sind oft empfundene aber auch propagierte Ungerechtigkeit.

Zu einem Verständnis darüber, gelangt man über den Dialog, gelangt man über die Frage nach den Ursachen von Ungerechtigkeit. Das Austauschen von Standpunkten bringt keine Annäherung, weil jeder das Recht zum Knecht macht, indem er sagt - unser gutes Recht -, oder - mein gutes Recht - und dabei nicht erkennt, dass Recht, will es wirklich gut sein, für alle gelten muss. Die wirklich entscheidende Frage für den Frieden wird in Zukunft sein: Wo sanktioniere ich Unrecht und meine, das sei mein gutes Recht? Die Frage des Friedens ist also keine Frage des Handelns meines Gegners, sondern zu allererst eine Frage an mich selbst.

Die Frage nach der Gerechtigkeit beginnt und endet mit jener goldenen Regel:

ALLES NUN, WAS IHR WOLLT, DASS EUCH DIE LEUTE TUN SOLLEN, DAS TUT IHNEN AUCH.

Und da muss man vielleicht nicht bei der großen Weltpolitik, sonders zuerst einmal bei sich selbst anfangen.

 


 

Marc Chagall: Zyklus Biblische Botschaft
„Abraham mit den drei Engeln“
(Genesis, Kapitel 18)

 


Informationen

Die in diesem Jahr wieder stattfindende Bibelwoche widmet sich dem Römerbrief und damit einem der Namenspatrone unserer Kirche.

Paulus, einst Saulus und Widersacher der Christen, wird zum größten christlichen Missionar. Um mit den von ihm neu gegründeten Gemeinden in Kontakt zu bleiben, schreibt er Briefe (Episteln), in denen er seine Gedanken vom Christsein entfaltet. Die Briefe des Paulus sind die ältesten Dokumenten aus der Anfangszeit des Christentums. Der Römerbrief mit einigen auch unser Zeitdenken hinterfragenden Aussagen spielt hierbei eine besondere Rolle.

Mehr zum Römerbrief des Paulus erfahren Sie vom 23. bis zum 30. März. Gerahmt von zwei Gottesdiensten an den Sonntagen finden von Montag bis Freitag jeweils 19.30 Uhr Gesprächsabende im Lesecafé statt. Die Bibelwoche wird gemeinsam mit der Kirchengemeinde Prerow gestaltet.

Wichtig sind der Kirchengemeinde die Kinder. Hier haben wir bereits bestimmte Angebote, wie die Christenlehre und den offenen Nachmittag für Kinder vom Vor- bis zum Grundschulalter mit Frau Nagel. Im nächsten Monat versuchen wir einen Kinderchor aufzubauen. Kinder im Alter von 5 bis 10, die gern singen, sind herzlich willkommen. Auch wollen wir ab April alle zwei Monate Eltern zum Gespräch einladen.

Die Sanierung der Kirche stockt auf Grund des Frostes. Damit wurde gerechnet. Doch sobald es wieder möglich ist, wird der erste und zweite Bauabschnitt im Frühling beendet.

 


Es war einmal...

von Gisela Nagel

So fangen nicht nur die Märchen der Brüder Grimm an, in denen es um Gut und Böse geht und immer um den Sieg des Ehrenhaften über das Schurkische. Nein, die Herren Grimm haben sich ja nur aufgemacht und haben aufgeschrieben, was ihnen die einfachen Menschen an Geschichten und Legenden und tatsächlich Geschehenem erzählt haben. Aber die Grimm’schen Märchen, wie wir sie kennen, sind ja doch im Verlauf der Menschheitsentwicklung sehr jung. Denken wir doch einmal an uralte Indianerstämme, wo der Schamane sein Wissen, sein Können und seine lehrhaften Geschichten mündlich an seinen Nachfolger weitergab, so wie er alles von seinem Vorgänger gelernt hatte. Das waren nicht einfach nur unterhaltsame Plaudereien, sondern überlebenswichtige Kenntnisse.

Und denken wir an die große Kultur der Kelten, die in Europa weit verbreitet war. Auch bei den Kelten wurde alle Weisheiten nur mündlich weitergegeben. Hier waren es oft kluge, weitsichtige Priesterinnen, die für den Fortbestand der Kultur und Weitergabe des alten Wissens, verbunden mit neuen Erkenntnissen sorgten.


Keltisches Labyrinth im Fußboden der Kathedrale von Chartres (Frankreich)

Und wir, träumen wir uns nicht manchmal in die Zeiten zurück, wo am gemütlichen warmen Ofen die „Alten“ Geschichten „von früher“ erzählten, Geschichten, in denen Wundersames passierte, Geschichten, in denen schier Unmögliches durch kleine oder große Wunder doch erreicht wurde? Da mag nun jeder von uns andere Erinnerungen, andere Assoziationen haben. Jedenfalls bin ich sicher, dass so ein Fundus an alten Geschichten sehr wichtig ist, und traurig für den, der kein Einnerungsreservoir hat.

Und damit komme ich nun zu unseren Kindern, unseren Enkeln, unserer nachfolgenden Generation. Mit welchen moralisch hochwertigen Geschichten, Weisheiten, Kenntnissen werden die heutigen Kids ausgerüstet und für das Leben stark und standfest gemacht?

Zuerst fällt mir da leider nur das Fernsehen ein, das so bequem und so verderblich sein kann - aber nicht sein muss. Es gibt ganz gewiss sehr hochwertige Kindersendungen im Fernsehen. Man muss sich nur ein bisschen die Mühe machen und sich mit dem Programm beschäftigen und die Sendungen mit dem Kind gemeinsam auswählen. Die Praxis ist doch aber leider oft so, dass die Kleinen vor den Fernseher gesetzt werden, dann sind sie wenigstens mal still, ganz egal, wie viele Figuren da gerade zu Tode gehetzt und geprügelt und getreten werden. Selbst wenn es die erklärten „Guten“ sind - sie treten genauso und prügeln genauso wie die „Bösen“. Und davon sind die Programme für unsere Kinder teilweise übervoll.

Die Verantwortung für die uns nachfolgenden Generationen tragen aber wir Erwachsenen. Was geben wir ihnen mit auf den Weg, um eine gute Basis für den Lebensweg zu haben? Sprechen wir noch ausreichend mit unseren Kindern? Ich meine ernsthafte, bildende Gespräche. Jeder von uns hat ein „früher“, jeder von uns hat seine Lebensgeschichte und wichtige Erfahrungen, die es weiterzugeben lohnt. Natürlich darf man die Kids auch nicht überfordern mit seinen alten Lebensweisheiten - immer auf die Dosierung achten!

Zum Schluss möchte ich auch noch an die vielen wunderbaren Bücher erinnern, die in Buchhandlungen und Bibliotheken zum Lesen bereit stehen. In denen kluge, oft weise Männer und Frauen ihr Wissen, ihre Erfahrungen weitergeben wollen. Verschließen wir uns dem nicht, und helfen auch der Jugend Zugang zu den Quellen der Weisheit und Ehrenhaftigkeit zu finden.

 

Geburtstage im März und April 2003

Irma Anders
Dora Beier
Adelheid Eggert
Otto Gräff
Margarete Henning
Horst Holm
Ingelore Hückstädt
Frieda Jarling
Irene Kook
Herbert Kugler
Willy Lobsch
Rudi Möller
Erika Müller
Otto Neumann
Werner Petz
Hans Schüler
Walter Niche
Ursula Schomann
Emma Schumacher
Herta Siebenbaum
Alice Tabbert
Dr. Käte von Wedelstädt
Gisela Wildgrube
Günter Zantow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!