Gemeindebrief für Januar und Februar 2007

 

Nicht unserer Hoffnungen werden wir uns einstmals zu schämen haben, sondern unserer ärmlichen und ängstlichen Hoffnungslosigkeit, die GOTT nichts zutraut.
(Dietrich Bonhoeffer)

von Gisela Nagel

Auch das Thema "Hoffnung" ist ein sogenanntes "weites Feld". Und es ranken sich verschiedene Redensarten um diesen Begriff. Eines sagt, dass hoffen und harren manchen zum Narren manche, ein anderes, dass die Hoffnung zuletzt stürbe. Und Heinrich Heine last die armen schlesischen Weber in einem Gedicht sagen:

"Wir haben vergebens gehofft und geharrt, er hat uns gehäuft und gefoppt und genarrt..."

Worauf setzen wir zu Beginn dieses neuen Jahres unsere Hoffnungen? Seien es nun laut ausgesprochene wie "Alles Gute für´s neue Jahr!" oder "Hauptsache gesund bleiben" oder "ausreichend Geld zur Verfügung haben" oder was an Wünschen noch so mehr oder weniger im Vorübergehen geäußert wird.

Aber das sind ganz gewiss nicht die Hoffnungen, an die Dietrich Bonhoeffer gedacht hat, als er die obigen Worte formulierte. Und wenn wir uns einmal die Zeit nehmen und vielleicht auch ein bisschen Mut, in uns hinein zu lauschen, uns mit unseren ureigensten Hoffnungen, Bedürfnissen und Sehnsüchten vertraut zu machen, werden wir vielleicht erstaunt sein. Vielleicht begegnen wir Gedanken oder Illusionen, die wir einmal vor langer Zeit als real angesehen, sie aber dann im Trott des alltäglichen Lebens, aufgegeben, vergessen, zugeschüttet haben. Nur selten erinnern wir uns noch an alte sogenannte Jugendtorheiten, an Ideen, wie wir die Welt verbessern wollten, wie wir alles besser machen wollten als es jemals in der Vergangenheit gemacht worden ist. Vielleicht schütteln wir heute den Kopf über uns selbst und halten unsere damaligen "Hirngespinste" für total absurd. Aber waren sie denn absurd? Sollten wir uns heute dafür schämen, dass wir einst von einer guten, heilen Welt geträumt haben? Wohl kaum. Eher müssen wir uns heute schämen, dass wir so viele unserer Hoffnungen aufgegeben haben, dass wir vielleicht heute denken, alles wäre sinn- und hoffnungslos.

Einst sind die Israeliten 40 Jahre auf der Wanderschaft gewesen, fast ein Menschenleben lang. Und so hat sicher jeder von uns in seinem Leben "Wüstenwanderungen" erlebt, in deren Verlauf er manchmal nicht sicher wusste, ob er je ein lohnenswertes Ziel erreichen wird. Aber wohl dem, der weiß, welches denn überhaupt sein Ziel ist. Ist es Reichtum, ist es Ruhm, Ansehen, Liebe, ein bequemes Leben, friedliches Miteinander aller Menschen, der Sieg dieser oder jener Religion über diese oder jene andere, oder, oder? Wenn man nicht weiß, was man im Leben erreichen möchte, wird man ziellos hin und her laufen, sich im Kreis bewegen, im Morast versinken, sich hoffnungslos verzetteln. Ja, hoffnungslos! Und dann haben wir den Zustand der "ärmlichen Hoffnungslosigkeit" erreicht, die GOTT nichts zutraut. Und trauen wir GOTT nichts zu, trauen wir uns auch selbst nichts zu. Wenn wir es wünschen, sind wir nie wirklich allein und können nahezu alle Hoffnungen mit Zuversicht betrachten und viele von ihnen zu schöner Wirklichkeit werden lassen. Aber natürlich müssen wir um GOTTES Hilfe bitten, an SEINE endlose Energie glauben und können so voller Vertrauen, Hoffnung und Kraft unsere persönliche schwierige Wanderung aufnehmen, fortsetzen und ein gutes Ziel erreichen.

  



„Der heilige Franziskus predigt zu den Vögeln“
Fresko von Giotto di Bondone in Assisi (13 Jh.)
- siehe auch nachfolgenden Artikel von Hannes Nagel -

 

Frohe Armut, bittres Elend

von Hannes Nagel

“Weißt Du, was Glück ist?", fragte Franziskus von Assisi einen Bruder. Der wusste es nicht. “Glück ist, wenn man zerlumpt, durchfroren und verschmutzt spät nachts bei den Brüdern um Obdach und Brot bittet, aber abgewiesen wird und dann wieder in die Kälte hinaus geht ohne sich über deren Verhalten zu erregen".

Zerlumpt, durchfroren, verschmutzt, obdachlos: Kaum jemand ist bereit, einem solchen Menschen wirklich Hilfe zu gewähren. Das Äußerliche hat schon immer die Bereitschaft zur Hilfe beeinflusst. Ein Mensch zählt nichts, seine Erscheinung Alles. Selbst Vorabendsendungsexperimente des Boulevardfernsehens haben bereits mehrfach gezeigt, dass Passanten in einer Großstadt eher bereit sind, einem eloquenten gutgekleideteten Menschen ihr Mobiltelefon zu leihen als einem Menschen mit wirrem Haupthaar und unansehnlicher Kleidung.

Wer nichts hat, muss betteln. Um etwas zu Essen, um Hilfe vom Amt. Franziskus predigte seinen Brüdern, das Betteln nur dann anzuwenden, wenn trotz eigener Arbeit in der klösterlichen Gemeinschaft der Tisch leer bleibt und der Magen knurrt. Die eigene Arbeit für das Überleben hatte aber Vorrang vor dem Betteln. Da ist 780 Jahre nach dem Tod von Franziskus einmal ein Gedanke über Arbeit angebracht. Über die Arbeit finden Menschen ihre soziale Identität. Nimmt man ihnen sinnvolle Betäti-gungen, durch die sie leben können, nimmt man ihnen auch einen Teil ihrer Identität. Die Wirtschaft zahlt nur für das, was ihr nützt. Der Nutzen für die Wirtschaft ist nicht das gleiche wie der Nutzen für das Gemeinwohl. Schritt für Schritt entsteht eine Parallelgesellschaft.

Als Kind und Jugendlicher kannte Franziskus auch das Leben in Wohlstand, denn sein Vater war ein wirtschaftlich erfolgreicher Tuchhändler. Trotzdem entschied sich der Sohn ohne Not für ein Leben ohne Konsum und Wohlstandsmaximierung. Ein Dach, ein Bett und die für die Arbeit notwendige Habe reichen allemal, um in einer Gemeinschaft Glück zu finden und ein Auskommen. Die selbst gewählte Armut unter-scheidet sich vom Elend durch einen einzigen Aspekt: Elend ist aufgezwungene Armut. Diese kann nicht das Ideal sein. Sie ist kaltschnäuziges Kalkül einer herzlosen Gesellschaft. Die Armutswirklichkeit hat nichts mit dem franziskanischen Armutsideal zu tun.

Für die evangelische Kirche spielt Franziskus keine Rolle. Man achtet, schätzt und zitiert ihn zuweilen, aber man feiert ihn nicht. Heiligenverehrung ist was für Katholiken, meinte ein evangelischer Theologe. Heute tragen Orden, Stiftungen, Ver-eine, und caritative Einrichtungen den Namen Assisi. Es gibt eine Franz-von-Assisi-Akademie zum Schutz der Erde, auch Tierschutzvereine berufen sich auf Franziskus, aber keiner außer den Orden lebt das Ideal der glücklichen Armut.

   


Mikrokredite bei „Oikocredit“

von Susanne Ziehank-Lipke

Im Weihnachtsbrief konnten Sie im Artikel Pastor Apels vom Nobelpreisträger Muhammad Yunus und seiner Grameen-Bank lesen. Die Bank stellt sogenannte Mikrokredite benachteiligten Menschen in den ärmsten Regionen der Welt zur Verfügung, damit diese eine Existenz gründen und der Armut entgehen können.

Noch vor der Grameen-Bank wurde in den 70er Jahren „Oikocredit“ vom Ökumenischen Rat der Kirchen gegründet, eine international agierende Kreditgenossenschaft. Der Grameen Trust ist seit 1998 Mitglied von Oikocredit International Share Foundation. Sie arbeiten in Kooperation zusammen. „Oikocredit“ ist heute einer der weltweit größten Refinanziers im Mikro-finanz-Sektor. Und nun die gute Nachricht: Auch Sie können mit einem Teil Ihrer persönlichen Rücklagen die Arbeit von „Oikocredit“ unterstützen! Für Privatpersonen wurden in Deutschland regionale Förderkreise gegründet, in denen Sie Mitglied werden können und die Ihre Anteile treuhänderisch verwalten. Man kann bei „Oikocredit“ beliebig viele Anteile zu 200,00 € erwerben.

Mit diesen Anteilen können Kleinstkredite sozial und ökologisch verantwortlich armen Menschen zur Verfügung gestellt werden. Den Wert der Anteile können Sie sich jederzeit wieder auszahlen lassen. Ca. 27.000 Privatpersonen sowie mehr als 500 kirchliche und andere Organisationen haben Geld bei „Oikocredit“ angelegt. Auch das ist - zusammen mit der Grameen-Bank - eine Erfolgs-geschichte, an der Sie selbst mitschreiben und einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation vieler Armer leisten können.

Näheres unter: www.oikocredit.com.

Gerne können Sie auch im Pfarrhaus nachfragen oder direkt bei mir.

 
 
Geburtstage im Januar und Februar 2007

Rudi Bladt * Elsbeth Braun * Lisa Dietzsch

Ingeborg Ehrenreich * Hermann Ennen * Gerd Fütterer

Moritz Geldschläger * Waltraud Goerke * Günter Matthes

Kurt Jakob * Loni Kuse * Helga Otholt

Peter Rudnick * Eryka Sakowski * Anneliese Schielke

Anna Siewert * Erna Stolpa * Waltraud Strehlow

Elsbeth Schacht * Gertrud Troelenberg * Dr. Brigitte Wendt

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!