Gemeindebrief für Januar und Februar 2006

  

Baustein der Identität
zur Neugestaltung der Altarwand in der Peter-Pauls-Kirche 2005

von Jürgen Koerber

Mit dem Verlust des Tabernakels über dem Altar in den dreißiger Jahren ging der Gemeinde mehr verloren als nur ein Stück Inneneinrichtung. Das von den drei Bildwerken zunächst einzig erhaltene Kruzifix, vorher in den dreiachsigen neugotischen Aufbau integriert, war schon von seiner Größe her ohne die Umgebungsarchitektur nicht geeignet, Blick- und Ruhepunkt des großen Kirchenschiffs zu bieten. Umgeben von den riesigen, kahlen Flächen der Apsis war so ein gut gemeintes, doch in jeder Beziehung unzureichendes Provisorium entstanden.

Daran änderte sich auch im Wesentlichen nichts, als nach sorgfältiger Restaurierung der mittlerweile in zahlreiche Einzelscherben zerfallenen Skulpturen von Petrus und Paulus durch Ludvik Cejp, diese zu beiden Seiten des Christus-Korpus wieder ihren Platz fanden. Das Ergebnis musste immer noch un- befriedigend sein und wird sogleich verständlich, wenn man sich die drei minder großen, weißen Bildwerke auf der ebenfalls weißlichen Wand vor Augen führt.

Den Verantwortlichen für die Pflege des auch als Baudenkmal registrierten Gotteshauses war bewusst, dass die Wiederherstellung nach dem ursprünglichen, von Stüler zwar schon vereinfachten aber immer noch aufwändigen Entwurf von 1861 für die Altarwand nicht infrage kam. Dies nicht nur wegen der für den komplizierten dreischiffigen schrankartigen Holzbau immensen Kosten, sondern auch aus einem anderen, wichtigen Grund: Die Einrichtung einer Kirche bedarf durchaus enger Bindung an Stiltendenzen der Gegenwart und „lebt“ mit der Gemeinde und ihrem sich ja auch in einer evolutionären Entwicklung befindlichen Gottesdienst-Verständnis! Das heißt zwar nicht, dass die Kirchenausstattung in jeder Generation zu modernisieren wäre - nein, aber wenn Veränderungen eingetreten sind, durch Krieg, Brand, Gewalt oder andere unabwendbare Ereignisse, muss bei der Erneuerung der aktuelle Stand in der Glaubens-Ausübung und die dazu passende Sicht maßgebend sein. Beispiele in der Kunstgeschichte dafür finden sich zuhauf; nicht nur im Straßburger Münster besonders deutlich, sondern auch im Norden, in großen und kleinen Kirchen, immer wieder.

In dieser Erkenntnis begannen die Überlegungen zu einer Gestaltung des Altarbereichs, die den berechtigten Anspruch der Gemeinde zu einem optischen Gegenüber auf der Ostwand der Apsis erfüllen würde. Folgerichtig wurde im Sommer 2004 der als Holzbildhauer hervorgetretene Künstler Ludvik Cejp, der sich ja bereits explizit mit den restaurierten Apostelfiguren befasst hatte, um Entwürfe gebeten. Diese sollten sich in den neugotischen Raum harmonisch einfügen und doch heutigem Form-empfinden entgegen kommen, dazu auch konkrete Aussagen haben - eine keineswegs einfache Aufgabe.

Cejp reagierte auf diese Herausforderung mit einem überzeugenden Konzept: Er griff die aus der Gotik (Flügelaltar) wie aus der untergegangenen Tabernakel-Gestaltung bekannte Dreiteiligkeit auf und schuf Hintergrundflächen der Bildwerke, die - eine Konzession an das neugotische Umfeld - von weißen, beschrifteten Rahmen begleitet sind. Diese stehen im Kontrast zu den drei großflächigen Farbfeldern, die ebenfalls Schrift enthalten. Die aus grob besäumten Brettern (deren Fugen sind deutlich sichtbar) hergestellten Tafeln nehmen die Skulpturen auf und sind farbig behandelt: Die Komplementärfarben Rot und Blau sind aber eben gerade nicht symmetrisch angeordnet. Die den Blick auf sich ziehende Farbe Rot ist der Kruzifix-Tafel vorbehalten und wird von Blau (Petrus) und Ockergelb (Paulus) flankiert. Dieses scheinbare Ungleichgewicht ist in voller Absicht gesetzt - es betont das Kruzifix als zentralen Inhalt und weist zugleich auf die Ungereimtheit des fernab beschaulicher Dekoration mit der Kreuzigung verbundenen Geschehens hin.

Die Inschriften von Rahmen und Tafeln (Harald Apel) bedürfen besonderer Interpretation: Es handelt sich ausschließlich um überlieferte Aussagen der Dargestellten, sie sollen an anderer Stelle kommentiert werden. Es schadet nichts, wenn sie sich optisch aus der Ferne nicht erschließen; es lohnt sich für den Betrachter, näher heranzutreten und sie nach und nach vor Ort zu erfassen - und zu bedenken.

Die Gemeinde ist dankbar, dem großzügigen Spender Rolf Birkhahn und ebenso dem Künstler, für dieses, die ganze Breite der östlichen Apsidenwand einnehmende Kunstwerk, das ihr ja wieder einen zentralen Blickpunkt zur Sammlung wie zur Meditation bietet. Und genau das war die gestellte Aufgabe! Ludvik Cejp hat sie ebenso einleuchtend wie unspektakulär und das heißt: Dienend erfüllt. Und auf solche Weise sollte auch demnächst weitergearbeitet werden, wenn es darum geht, den gesamten Altarraum neu zu betrachten, um ihn mit den heute zu erfüllenden Anforderungen des Gemeindelebens in Einklang zu bringen.


 


Neue Altarwand in der Peter-Pauls-Kirche
  

Ein Jegliches hat seine Zeit...

von Gisela Nagel

…und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.
So kann man es beim Prediger Salomo lesen neben sehr vielen anderen, sehr bedenkenswerten Aussagen. Vielleicht sollte man doch öfter mal die Bibel zur Hand nehmen. Besonders im Alten Testament können wir so viele Weisheiten und Verhaltensregeln finden, dass, wenn alle Menschen sich daran orientieren würden, es um die Menschheit weit besser bestellt wäre. Denn die alten Texte sind alle auch in unsere Zeit zu transferieren. Und so könnte vielleicht einer unserer Vorsätze für das Jahr 2006 sein, doch öfter mal oder vielleicht sogar regelmäßig sich mit Hilfe der Bibel mit der Menschheitsgeschichte zu befassen, um GOTTES Geist, den heiligen, heilenden, unendlichen Geist der Schöpfung und unseres Daseins zu erahnen, erspüren, erleben.

„Ein jegliches hat seine Zeit“. Wenn man sich diese Aussage zu eigen macht, kann einen kaum noch etwas erschüttern. Dann kann man auch dunkle Tage, an denen man schier zu verzweifeln droht, mit mehr Gelassenheit angehen. Denn auch dunkle Tage haben „ihre Zeit“. Und wenn man sich dessen bewusst ist, wird man die Hoffnung auf die helleren Tage, die garantiert folgen werden, nicht verlieren.

„Ein jegliches hat seine Zeit“. In jeder menschlichen Beziehung gibt es Krisenzeiten und Hoch-Zeiten. Und überstandene Krisen festigen und stärken, machen sie dauerhaft. Eine Krise sollte man nie als etwas Endgültiges betrachten, genau wie die Hoch-Zeit.

„Ein jegliches hat seine Zeit“ ­ auch in der Beeinflussung, sprich Erziehung der heranwachsenden Generation. Vielleicht ist das die schwierigste aller Herausforderungen, auf jeden Fall eine extrem verantwortungsvolle. Die Bandbreite der Handhabung der Kindererziehung ist wohl so groß wie die Anzahl der Eltern. Jede Mutter, jeder Vater hat seine eigenen Erfahrungen aus eigener Vergangenheit, die er entweder bei seinen Kindern wiederholen möchte, oder die er keinesfalls wiederholen will. Oft hört man vor allem ältere Menschen über die heutigen Kinder und Jugendlichen klagen. Sie sind laut, hören nicht auf Mutter und Vater, wollen alles haben, und zwar sofort. Und viele Eltern tun alles, um ihrem Liebling jeden Wunsch zu erfüllen. Sie sind vorlaut, besserwisserisch, stets davon überzeugt, im Recht zu sein, respektlos. Ruppig sind sie, bedienen sich schlechter Ausdrücke, prügeln sich, sind rücksichtslos…und…und…und.

Sind diese Klagen berechtigt? Ganz sicher auf den ersten Blick schon. Aber meistens ist ein zweiter und etwas genauerer Blick nötig, um sich ein ge- naues Bild von einer Situation zu machen. Wir, die Älteren, und zwar alle, sind angesprochen, vernünftig mit den Heranwachsenden umzugehen. Wenn wir sie nur beschimpfen und als unmöglich abstempeln, dann werden uns die lieben Kleinen zeigen, was sie können. Sie werden uns beweisen, wie recht wir haben. Wenn wir ihnen aber mit Freundlichkeit begegnen, sie trotz aller Fehler ernst nehmen, schmelzen oft auch die Ruppigsten dahin. Zu der Freundlichkeit und Liebe, die wir und vor allem die Eltern ihren Kindern entgegenbringen gehört aber auch eine gehörige Portion Konsequenz und Strenge. Kinder sollen fröhlich und unbeschwert heranwachsen, sie sollen sich ausprobieren, sie sollen sich durchsetzen lernen, sie müssen den Umgang mit anderen auf vielfältige Art trainieren. Denn sie sollen ja doch lebenstüchtige Erwachsene werden. Sie trainieren täglich und stündlich, und Eltern und alle Mitmenschen sind die Trainer, die Vorbilder. Der Trainer muss das Trainingsziel kennen. Er ist der Klügere, Erfahrenere. Er muss konsequent auf Einhaltung seiner Forderungen bestehen, und nicht heute so und morgen entgegengesetzt reagieren. Aber auf jeden Fall sollten jedem Heranwachsenden die Grenzen aufgezeigt werden, die notwendig für ein gutes Zusammenleben aller Menschen nötig sind.

Denn „Ein jegliches hat seine Zeit“: streicheln, liebkosen, verwöhnen, belohnen oder bestrafen, tadeln und zurechtweisen.

Aber immer gilt das Wort des weisen Salomo: „Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm“

 
 
Geburtstage im Januar und Februar 2006


* Rudi Bladt * Elsbeth Braun * Lisa Dietzsch

Ingeborg Ehrenreich * Hermann Ennen * Moritz Geldschläger

Waltraud Goerke * Günter Matthes * Kurt Jakob

Loni Kuse * Eva-Maria Matz * Helga Otholt

Eryka Sakowski * Annelise Schielke * Anna Siewert

Erna Stolpa * Waltraud Strehlow * Elsbeth Schacht

Gertrud Troelenberg * Dr. Brigitte Wendt


Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!