Gemeindebrief für Januar, Februar und März 2005

 

Gott, der Barmherzige und Allmächtige

von Harald Apel

Liebe Gemeinde!

Weihnachten 2004. Noch feierten wir das Fest der Geburt des Gottessohnes am 26.12.2004, - noch war alles in den zauberhaften Glanz des Anfangs gehüllt, da wälzte sich auf der anderen Seite dieser Erde eine tödliche Welle über unzählige Küstenorte und setzte allem Leben und aller Lebendigkeit dort ein grausames Ende, dass unser noch so williges Begreifen nicht mehr ausreichte. Noch hörten wir die Engel verkünden: “ Fürchtet euch nicht !”, da sahen wir die fürchterlichsten Bilder der Zerstörung. Weihnachten, das Fest des neuen und beginnenden Lebens. – Weihnachten, 2004 auch das Ende des Lebens von über 150.000 Menschen???

Und bei allem Fragen nach der Verletzlichkeit des menschlichen Lebens gegenüber jener gewaltigen Kraft steht wie immer im Unglück und im Unerklärlichen auch die Frage nach Gott: Wie kann ER das zulassen? Wo war SEINE Barmherzigkeit? Wo war der Gott des Lebens, als die tödlichen Wellen kamen?

Trotz aller Not dieser Fragen sind die schnellen Antworten sicher nicht die richtigen, vor allem die nicht, die von Bestrafung reden. Vielleicht ist unser Unverstehen auch ein Zeichen dafür, wie einseitig und begrenzt wir Gott denken.

Ist er nur der Gott des Anfangs, - des Lebens, - der Liebe und Barmherzigkeit? Darf er nicht geschehen lassen, was wir nicht begreifen können, - was nicht gut für uns ist?

Unsere menschliche Sicht auf Gott ist begrenzt. Unbegrenzt aber bleibt Gott. Wer das nur für die billige Ausrede von Theologen hält, der gibt letztlich auch das Leben der Sinnlosigkeit preis. Am Anfang und am Ende unseres Denkens nur mit uns selbst allein zu bleiben, macht mut- und hoffnungslos. In der Alternative von einer unendlich großen Sinnlosigkeit und vom Menschen nicht erfassbarem Sinn kann selbst in einer Katastrophe nur der nicht erfassbare Sinn Grund für einen Anfang nach dem Ende sein. Noch schrecklicher als all die immer wieder gezeigten Bilder von Tod und Verwüstung ist der Gedanke, dass da Menschen in ihrer letzten Stunde, - im Kampf ihres Sterbens nicht an Gott, sondern nur an eine große letzte Sinnlosigkeit glauben konnten. Gottes Allmacht und Gottes Barmherzigkeit - das geht zuweilen über die Grenze unseres Verstehens. Letztlich aber würden wir Gott negieren, wenn wir nur an den von uns Menschen erklärbaren Gott glaubten.

Und vielleicht ist das eine Erfahrung der Weihnacht 2004: Gott kann uns so nah kommen, dass wir ihn wie ein Kind in die Arme nehmen möchten und zugleich kann er uns so fern, so unerklärlich bleiben, dass uns nichts bleibt als unsere Hilflosigkeit und unser Unverstehen in seiner Größe und Allmacht münden zu lassen.

 




Die alte und die neue Glocke werden auch in diesem Jahr das Leben
der Kirchengemeinde mit ihrem Geläut markieren und begleiten.

 

Informationen

Unser Suppenbasar zu Gunsten der Seebebenopfer wurde von ca. 50 Besuchern genutzt. Einige kleine Suppen-köche hatten die ganze Familie am Sonntag mitgebracht.

In der Gemeinde wurden durch Kollekten, das Neujahrskonzert und den Suppenbasar über 1500 € für die Opfer des Seebebens gesammelt. Die Spenden sind an die Hilfsorganisationen Ärzte Dritte Welt und Unicef weitergeleitet.

Jeden Sonntag und auf spezielle Anfrage öffnen wir für Sie unseren Eine-Welt-Laden. Nicht allein, dass es einer der wenigen in dieser Region ist, Sie finden hier neben originellen Geschenken auch interessante Lebensmittel, wie getrocknete Bananen, Rohrzucker oder Quinua. Viele Produkte stammen aus ökologischem Anbau. Diese Produkte werden von der Kirchengemeinde verkauft, ohne eigenen Gewinn zu erzielen. Dies ist auch eine Voraussetzung, dass die Erzeuger in Afrika, Lateinamerika oder Asien fair entlohnt werden können.

Zur Zeit sind noch einige Losungshefte für das Kirchenjahr 2005 im Pfarramt erhältlich.

Harald Apel

 

Tucholsky im Lesecafé

Am Mittwoch, dem 2. März 2005, wollen Hannes Nagel und Sigrid Götsch im Lesecafe an den Schriftsteller und Journalisten Kurt Tucholsky erinnern.

Tucholsky war ein bissiger Kritiker gesellschaftlicher Übel der Weimarer Republik. Mit Satiren, Glossen und Essays trat er der Reichswehr, der Justiz und dem aufkommenden Faschismus auf die Füße. Zur Erinnerung lesen sie Beiträge des streitbaren Publizisten aus der Zeitschrift “Weltbühne”, die nach dem Tode ihres Gründers Siegfried Jacobson von Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky geleitet wurde.

Tucholsky starb vor 70 Jahren im schwedischen Exil. Am 9. Januar jährte sich sein Geburtstag zum 115. mal. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr im Lesecafe, Kirchweg 8, in Zingst.

Hannes Nagel

 

Macht die Türen auf, macht die Herzen weit

von Gisela Nagel

Habt ihr schon einmal daran gedacht, dass die Wirte von Bethlehem aufgemacht hätten, wenn sie gewusst hätten, dass es Maria, Josef und das Jesuskind, das Kind Gottes, waren, die an ihre Tür klopften? Da sie aber glaubten, dass es nur ein Mensch war, ist ihre Tür verschlossen geblieben…

Ihr glaubt, nur einem Menschen gegenüber zu handeln, aber ihr handelt Gott gegenüber.

(Louis Evely)

Ich bin überzeugt, die meisten Menschen haben den großen Wunsch, nützlich zu sein, gebraucht zu werden, Gutes zu tun. Fieberhaft, ja oft verbissen, suchen wir Gelegenheiten, zu beweisen, was für gute Menschen wir sind. Wir suchen nach großen Zielen, nach interessanten Aufgaben. Manche von uns wollen gar die Welt verändern und alles besser machen. Natürlich hätte es die Welt aus unserem Blickwinkel nötig verbessert zu werden. Aber wer sind wir denn? Erinnern wir uns doch:

Und GOTT sah alles an, was er gemacht hat, und siehe, es war sehr gut.

Ich sprach von unserem Blickwinkel. Er ist trotz aller Medien doch sehr beengt. Wer von uns könnte von sich behaupten, den großen, umfassenden Überblick zu haben; den Überblick über alles, was auf unserem Heimat- planeten, unserer Mutter Erde, geschieht oder nach unserer Meinung geschehen müsste; den Überblick über alle so genial funktionierenden Zusammenhänge im Kosmos; den Überblick bzw. Einblick in unsere tieferen Bewusstseinsebenen?

Was wissen wir denn? Nicht viel, selbst, wenn wir studiert und beste Zeugnisse erreicht haben. Aber wie man hört und hier und da liest, hat unser menschliches Gehirn noch enorme Kapazitäten, die gar nicht in Anspruch genommen werden. Lässt das nicht auf wunderbare Zukunftsbilder hoffen?

Doch bleiben wir in unserer sehr realen Gegenwart! Wir alle leben hier und jetzt in unserer kleinen, doch recht überschaubaren Welt - wenn wir sie denn überschauen wollen, wenn wir nicht über sie hinweg schauen, um nach dem “GROSSEN” Ausschau zu halten.

Jesus erwartet von uns, für jeden “Geringen” da zu sein. (Wer ist eigentlich gering? Gibt es dafür eine Wertetabelle oder ist das eine Ermessensfrage derer, die sich für nicht gering halten?) Vielleicht können wir sagen, wir wollen für jemanden da sein, der sich in einer schwierigen Situation befindet. Und schwierige Situationen gibt es für jeden von uns, seien es nun Probleme mit der Gesundheit, der Familie, den Arbeitskollegen, den Nachbarn oder, oder, oder… Halten wir also unsere Türen offen, die des Hauses und die des Herzens. Lassen wir jeden ein, der Einlass begehrt. Wenn sich jeder für seine Mitmenschen als der “Nächste” fühlt, sieht unsere Welt schon viel freundlicher aus.

 
 
Geburtstage im Januar, Februar und März 2005

Rudi Bladt
Elsbeth Braun
Lisa Dietzsch
Ingeborg Ehrenreich
Hermann Ennen
Moritz Geldschläger
Waltraud Goerke
Horst Holm
Kurt Jakob
Herbert Kugler
Loni Kuse
Günter Matthes
Eva-Maria Matz
Helga Othold
Ellinor Pauls
Dietrich Pauls
Werner Petz
Eryka Sakowski
Anneliese Schielke
Ursula Schomann
Hans Schüler
Anna Siewert
Emma Stolpa
Waltraud Strehlow
Elsbeth Schacht
Alice Tabbert
Gertrud Troelenberg
Gisela Wildgrube
Günter Zantow

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!