Gemeindebrief für Januar und Februar 2004

 

Herr, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind. Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir. (aus dem 131. Psalm)

von Gisela Nagel

Diesen friedvollen kleinen Psalm von David fand ich beim Blättern in der Bibel. Und ich glaube, wer diese Worte ehrlich für sich selbst sprechen kann, darf sich glücklich schätzen.

Weniger zufriedene Gedanken äußert der Prediger Salomo. Er macht sich Gedanken über die Vergänglichkeit des Menschen, über Bedrückung, Arbeitseifer und Vereinsamung, über das Unrecht - aber auch über das verborgene Walten GOTTES. Er sagt:
"Und ich sah alles Tun GOTTES, dass ein Mensch das Tun nicht ergründen kann, das unter der Sonne geschieht. Und auch wenn der Weise meint: Ich weiß es, so kann er´s doch nicht finden."
Aber jedenfalls können wir darauf bauen, dass GOTT waltet. Und wenn wir uns bemühen SEINEN Geboten Folge zu leisten, dann wird SEIN Walten zwar für uns immer noch nicht zu ergründen sein, aber wir können unsere Seele still und ruhig werden lassen. Doch der Prediger Salomo spricht auch:
"Denn was kriegt der Mensch von aller seiner Mühe und dem Streben seines Herzens womit er sich abgemüht hat unter der Sonne? Alle seine Tage sind voller Schmerzen, und voll Kummer ist sein Mühen, dass auch sein Herz des Nachts nicht Ruhe findet...?"
Und dazu stellt er gleich selbst eine Gegenfrage:
"Ist´s nun nicht besser für den Menschen, dass er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinem Mühen? Doch dies sah ich auch, dass es von GOTTES Hand kommt. Denn wer kann fröhlich essen und genießen ohne ihn?"

Ganz sicher hängt die Zufriedenheit der Seele nicht nur von fröhlichem Essen und Trinken ab. Was unsere Seele genauso dringend zu voller Stille und Ruhe braucht, erfahren wir ­ sofern wir es nicht selbst durch GOTTES Gnade erspüren ­ im Neuen Testament in den Evangelien: Friedfertigkeit, Nächsten-liebe, Umgang mit Feinden (vielleicht auch nur vermeintlichen Feinden?!?!), Demut (nicht Unterwürfigkeit), Offenheit für jeden Mitmenschen. Und ich möchte hinzufügen: Offenheit für jede Kreatur, jedes Geschöpf GOTTES, sei es Mensch, Tier, Baum, Strauch, schöne Blume, Unkraut oder, oder, oder...

Doch noch einmal zurück zu Salomo. Er sagt:
"Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte GOTT und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen. Denn GOTT wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, sei es gut oder böse."

 




Glockenstuhl

Liebe Gemeindeglieder,
in einer nicht ganz leicht zu entscheidenden Frage möchten wir Sie um Ihre Meinung bitten.

Lange schon sind wir um die Sanierung unseres Glockenstuhles auf dem Friedhof bemüht. Dieses Jahr soll es nun geschehen. Notwendig wird eine völlig Demontage und der Wiederaufbau, da auch die Fundamente dringend der Erneuerung bedürfen.

Mit dieser Vorgabe nun stellt sich für den Gemeindekirchenrat die Frage: Ist es nicht vielleicht besser den Glockenstuhl näher an der Kirche wieder aufzubauen? Das würde nicht nur Erleichterungen bringen, sondern auch eine größere Nutzungsmöglichkeit.

Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung hierzu mit, damit wir keine Entscheidung fällen, die nicht die Mehrheit der Gemeinde berücksichtigt.

Übrigens sind Spenden für diese Vorhaben willkommen.

Harald Apel

 




Sonntag, 11. Januar 2004
Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen

von Harald Apel

Es ist kalt und grau an diesem Morgen. Auf dem Parkplatz warten Konfirmanden aus Prerow und Zingst auf Jugendliche aus Israel. Dann kommt ein Kleinbus und nach kurzer Begrüßung und Einführung in englisch und deutsch gehen alle nachdenklich an einer Mauer entlang, - zurück in eisigkalte deutsche Geschichte. Der Weg führt vorbei an Steinplatten auf denen unzählige kleine Steine liegen und an einem Schild „Stehen bleiben! Es wird ohne Anruf geschossen!“. Er führt zum Eingang mit dem zynischen Spruch: „Arbeit macht frei“. Zwei sehr unterschiedliche Projekte begegnen sich hier in der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen.

Schüler aus Israel besuchen ihre Deutschen Patenschulen auf Einladung des Bildungsministeriums Brandenburg und haben den Wunsch geäußert hierher zu kommen. Konfirmanden aus Prerow und Zingst sind in Berlin unterwegs, um Spuren jüdischer Geschichte zu entdecken. Zuvor haben die einen an einem Empfang in der Israelischen Botschaft teilgenommen und die anderen das Jüdische Museum in Berlin besucht. Beide Gruppen hatten jeweils gründliche Sicherheitskontrollen über sich ergehen zu lassen.

Hier aber auf dem Appellplatz des Lagers ist eine ganz andere Angst zu spüren. Jene Angst, die dir sagt, du hast kein einziges Recht mehr. Dein Leben ist belanglos, - ist nur noch brauchbar, aber nur solange du noch arbeiten kannst.

Jörg Stopa von der RAA Strausberg bringt den Jugendlichen sehr nah, welche Ängste, welche Hilflosigkeit an diesem Ort gelebt wurden: Stundenlang frieren bei Zählappellen; laufen und laufen und laufen auf den Teststrecken für Schuhmaterial; keinen Namen mehr haben und nur noch eine Nummer sein. Einzig ein kleines rotes Dreieck erklärt alles, was man über dich wissen muss: Ässozialer, Homosexueller, Jude; Pole, Krimineller, Politischer…

Die Schüler fragen und wollen genau wissen, was hier so unmenschliches geschehen ist. Sachsenhausen ist die Idee und das Modell eines deutschen Konzentrationslagers. Hier wird das Verbrechen geplant und organisiert. Hier erhalten spätere Lagerkommandanten ihre Einführung in die Technik des Tötens, in die Organisation der Menschenverachtung. Unbegreiflich ist zu erfahren, dass auf einer dieser Baracke 1995 ein Brandanschlag von Rechten verübt wurde. Ebenso unbegreiflich ist, dass die Befreier jenes Lagers es bis 1950 mit dem gleichen Zweck nutzten, wie die, von denen sie eigentlich befreiten.

Dann ist da der letzte Ort am letzten Ort, jenseits alles Menschlichen. Hier versuchte man das Töten zu perfektionieren. Es sollte alles gut funktionieren, dass war der letzte Anspruch derer, die sich durch das Elend des Anderen nicht mehr ansprechen ließen. Man hatte seine deutsche Pflicht zu erfüllen.

Jener Platz des Schreckens ist heute überdacht. An der Stelle aber, wo die Jugendlichen Ihre Blumen niederlegen und wo sie schweigen, kann man aber durch das Betondach in den Himmel sehen und so betet mancher vielleicht im Stillen „Gott, lass so etwas nie wieder geschehen.“

Dann später am Ausgang treffen wir auf einen Zeitzeugen in zweiter Generation. Sein Vater war hier inhaftiert und er spricht die Begleiter der Jugendlichen an: „Fragt Ihr die Jugendlichen auch, nachdem ihr Ihnen das hier alles gezeigt habt: Warum das alles möglich war? Was im menschlichen Denken zu diesem Ort führte?“

Das Gebet an der Stätte des Grauens muss diese Frage aufnehmen. Wir können uns nicht aus der Verantwortung nehmen, wir müssen Gott mit dieser Erfahrung antworten: „Gott, hilf uns aus dieser Erinnerung klug zu werden, hilf uns in aller Konsequenz zu begreifen, was es korrekter ins Deutsche übertragen heißt: „Du sollst deinen Nächsten lieben; er ist wie du.“

 

Geburtstage im Januar und Februar 2004

Elsbeth Braun
Lisa Dietzsch
Ingeborg Ehrenreich
Hermann Ennen
Moritz Geldschläger
Waltraud Goerke
Günter Matthes
Kurt Jakob Loni Kuse
Eva-Maria Matz
Helga Otholt
Erika Sakowski
Annelise Schielke
Anna Siewert
Emma Stolpa
Waltraud Strehlow
Elsbeth Schacht
Gertrud Troelenberg

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!