Gemeindebrief für Januar und Februar 2003

 

Zeit für die Zeit

Der Dichter Rainer Maria Rilke beginnt eines seiner Gedichte mit den Worten:
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge zieh´n.

Das Faszinierende dieser Worte ist neben der Sprache und Ihren Bildern der Gedanke, dass sich unser Leben über die Zeit breitet, und nicht die Zeit über unser Leben. Wir sind nicht Knechte, sondern Herren über unsere Zeit. All das, was uns scheinbar treibt, ist eine Illusion. Auf der Höhe der Zeit sein - mit der Zeit gehen, selbst wenn Sie Auto fahren (oder gar Transrapid) - all das, was uns so unruhig und gehetzt macht, ist ein Trug bild. Götzengleich wird die Zeit wie ein Schicksalsgott verehrt, und jeder betet, nur nicht zu spät zu kommen, nur nichts zu verpassen.

Nein, die Zeit bestimmt uns nicht, wir bestimmen unsere Zeit. Der Augenblick, der sich einen Moment über das Weiß einer Winterlandschaft zieht, ist möglicherweise nur sekundenlang, aber er ist mehr Erleben als unzählige Stunden des Vorbei- des Vorübereilens.

Eigentlich kommt die Zeit in unserem Innersten erst da an, wo sie uns nicht auf gewöhnliche sondern wundersame Weise berührt. Wenn der Prediger in seiner Weisheit davon spricht, dass nichts Neues unter der Sonne geschehe, so tut er es auch aus der Einsicht heraus, dass aller Wandel nur ein Wiederkehren ist. Vergangenes, Gegenwärtiges und Künftiges bestimmt uns zwar, aber auf welche Art und Weise hängt von unserem Empfinden und unserem Willen ab. Man spricht davon, die Zeit mit Leben zu füllen, aber es ist genau das Gegenteil der Fall. Es scheint an der Zeit, sich nicht mehr von der Zeit treiben zu lassen, sondern sie wahrzunehmen und dies in Bildern jenseits der tickenden Uhren.

Ich wünsche Ihnen, liebe Gemeindeglieder, für das kommende Jahr, dass Sie Ihr Leben nicht als einen Schwamm wahrnehmen, der Zeit bis zur Fülle aufsaugt, sondern dass Sie ihr Leben wie eine große Umarmung leben, die das umschließt, was hinter dem Wandel aller Zeit steht.

Ihr Harald Apel

 


 

Die Zingster Kirche im Schnee

 


Willst Du zuviel, so ist das, als ob Du gar nichts willst.

von Gisela Nagel

Ja, eigentlich ist damit schon fast alles zum Thema "Gute Vorsätze zum Jahreswechsel" gesagt. In einem Büchlein mit Sprichwörtern aus Japan stehen aber noch andere, die ich passend finde: Wer Großes will, muss zuerst das Kleine tun.
Oder dieses: Wenn Du schon einen Brunnen gräbst, dann grab so lang, bis Du Wasser findest. Und ein letztes: Gutes ist am besten gleich getan.
Ich glaube, wenn wir uns die Zeit nehmen und über jeden dieser Sprüche ein bisschen gründlicher nachdenken, können sie uns recht hilfreich sein.

Wie ist es? Haben Sie sich auch viel vorgenommen für das vor uns liegende Jahr? Vielleicht dasselbe, was Sie sich schon jahrelang vornehmen? Ich persönlich halte nichts von großen Plänen, die dann wie schöne Seifenblasen zerplatzen. Wenn man sich etwas vornimmt, sollte man es auch in die Tat umsetzen.

Und darum sollte man vorher doch ein bisschen gründlicher überlegen, was man sich vornimmt. Sonst wird man doch vor sich selbst unglaubwürdig und kann leicht zu der Überzeugung kommen, ein Versager zu sein.

Übrigens habe ich auch in der Bibel beim weisen Salomo noch zwei gute Sprüche gefunden: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Ja, das ist doch eine optimale Kombination. Wir Menschen sind aktiv und bemühen uns, unser Leben so angenehm und sinnvoll zu leben, wie es uns möglich ist; uns selbst zur Freude und GOTT zur Ehre. Dann haben wir GOTT auch an unserer Seite und können uns auf seinen Beistand verlassen, wobei wir natürlich ab und zu um seinen Beistand bitten sollten. Auch diesen fand ich beim weisen Salomo: Weisheit erwerben ist besser als Gold und Einsicht erwerben ist besser als Silber.

Wobei Weisheit nun wirklich nichts mit dem Bildungsgrad zu tun haben muss, denn den Politikern auf unserer guten Mutter Erde fehlt es bestimmt nicht an Bildung, zumindest nicht an Schulbildung, aber von Weisheit ist da doch oft nichts zu merken. Gäbe es sonst immer noch Kriege, Kriegsgeschrei, Waffenarsenale und Finanzmagnaten, die an alledem verdienen und anscheinend die Welt beherrschen?!

Nehmen wir einfachen Menschen uns doch einfach vor, Weisheit und Einsichten zu erringen, damit unser aller Leben auf diesem Planeten lebenswert bleibt.

 


Dietrich Bonhoeffer und Zingst

von Petr Cejp

Es ist allgemein bekannt, dass Dietrich Bonhoeffer - der weltbekannte Theologe, der sein Leben im Kampf gegen das Nazireich verlor - im Jahre 1935 als Leiter des Predigerseminars der Bekennenden Kirche vom April bis zum Juli mit seinen Studenten auf dem Zingsthof weilte und damals auch einen Gottesdienst in der Zingster Kirche hielt.

Weit unbekannter ist die Tatsache, dass er kurz noch einmal in Zingst war, und zwar vom 20. bis zum 26. Juni 1938. In einem Gespräch mit dem Greifswalder Bischof Dr. Abromeit, wurde die Frage aufgeworfen, ob dieser Aufenthalt hinreichend dokumentiert wäre, um als sicher zu gelten. Immerhin wird auf den zweiten Besuch Bonhoeffers in der Zingster Kirche hingewiesen.

Deshalb war es nötig, in den Quellen nachzuschauen, um diese Frage zu überprüfen. Dabei konnte nicht nur die Bestätigung für den Aufenthalt im Jahre 1938 gefunden werden, sondern auch andere interessante Details, die das Bild Bonhoeffers in Zingst anschaulicher machen.

Eberhard Bethge, der persönliche - und in Zingst damals anwesende - Freund und spätere Herausgeber von Bonhoeffers Schriften, schreibt in seiner großen Biographie:

Noch einmal brachte Bonhoeffer eine Freizeit für alle Ehemaligen zustande, Ende Juni 1938 - in Tagen heftigster Auseinandersetzungen innerhalb der Bekennenden Kirche - versammelte er 45 junge Pfarrer am Ort der Gründung: in Zingst." Bonhoeffer hielt in diesen Zingster Tagen eine Bibelarbeit über "Versuchung".

Es ist eine Postkarte mit dem Poststempel: Zingst 21.6.1938 an die Mutter erhalten. Ein paar Tage später schreibt Bonhoeffer an die Eltern aus Stolp:

Liebe Eltern! Die Tage in Zingst, wo ich mit allen ehemaligen Finkenwalder Brüdern zusammen war, waren ungestört schön. Es grüßt Euch Euer dankbarer Dietrich.

Herr Schulz von dem Dietrich-Bonhoeffer-Freundeskreis Berlin-Mitte war so freundlich, noch lebende Zeitzeugen zu befragen - sie können sich an den Aufenthalt mit Bonhoeffer 1938 in Zingst gut erinnern.

Bonhoeffer kehrt also noch einmal bewusst nach Zingst zurück, wo alles angefangen hatte, um das inzwischen von der Gestapo verbotene Seminar praktisch zu schließen (illegal existierte es noch bis 1940 weiter). Die Arbeit über die sechste Bitte des Vaterunsers ist später unter dem Titel "Versuchung" als Buch erschienen. So bildet Zingst eine Klammer um die drei Jahre des Seminars, das dann in Finkenwalde bei Stettin stattfand. Diese Zeit gehörte für Bonhoeffer nach seinen eigenen Worten zu den menschlich und beruflich ausgefülltesten seines Lebens.

 

Geburtstage im Januar und Februar 2003

Elsbeth Braun
Lisa Dietrich
Ingeborg Ehrenreich
Hermann Ennen
Moritz Geldschläger
Irmgard Giese
Waltraud Goerke
Günter Matthes
Hannelore Huhle
Kurt Jakob
Kurt Klose
Loni Kuse
Helene Kutscher
Willi Liedemann
Eva-Maria Matz
Helga Othold
Irmgard Othold
Kurt Rueben
Erika Sakowski
Annelise Schielke
Anna Siewert
Emma Stolpa
Waltraud Strehlow
Irma Timm
Gisela Wildgrube
Ellen Wüsteney

Wir wünschen Gottes Segen für das neue Lebensjahr!